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РЕШУ ЕГЭ — немецкий язык
Задания для подготовки
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Unser Bücherbus

Endlich taucht der orangenfarbene Bus in der Ferne auf. Wie gewohnt rollt er durch die Siedlung auf den großen Platz neben den Sportanlagen und parkt dort. Die hydraulische Tür öffnet sich. Schon steigen die ersten „Kunden“ ein. Manfred Böhnert, der den Bus fährt, und seine Kollegin Karen Eichler haben gerade ihren Platz im Bus genommen. Hier sind bereits Kinder und Erwachsene fleißig beim Auswählen. Neues Lesefutter wird gesucht, das für vier Wochen reichen muss. Erst dann kommt der orange Buchtransporter wieder.

Der Bus verkehrt streng nach Fahrplan. Zu festgelegten Terminen und Uhrzeiten hält er immer an denselben 88 Plätzen. Zuverlässig und vertraut seit 30 Jahren. So lange gibt es den „Bücherbus“ im Märkischen Kreis (Nordrhein-⁠Westfalen) schon. Und niemand will auf ihn verzichten. "Das ist doch praktisch", erklärt Schüler Fabian den Wert der Fahrbücherei, „da brauche ich nicht in die Stadt zu fahren. Der Bus kommt hierher, wo ich in der Nähe wohne“. Die meisten Leser sind Kinder und Jugendliche. Entsprechend groß ist das Angebot für die jungen Leser an Büchern, Zeitschriften, Hörbüchern, Videos und Computerprogrammen. „Wir haben hier 4 500 „Medien“, also Titel, an Bord“, sagt Manfred Böhnert. „Und was wir hier nicht haben, können wir beim nächsten Mal aus der Kreisbibliothek mitbringen, dort gibt es 52 000 „Medieneinheiten“ im Angebot. Was auch hier nicht zu bekommen ist, wird über den „Auswärtigen Leihverkehr“ beschafft“, ergänzt Karen Eichler. Dennoch  — Engpässe sind nicht zu vermeiden. Die Harry-⁠Potter-⁠Welle schwappte auch bis in den Bücherbus. Elf Vorstellungen gibt es, die vier vorhandenen Bände sind schon lange ausgebucht. Da muss man Geduld haben, denn es kann Monate dauern, bis man ein so begehrtes Buch in Händen hält. Sachbücher, Tierbücher und Magazine sind weitere Kategorien, die bei den jungen Lesern oft gefragt sind. Das bestätigen auch Friederike und Jessica, deren Hobby  — natürlich  — Lesen ist. Jessica sucht die Bücher für ihren sechsjährigen Bruder mit aus. Sarah reserviert sich gerne Witzebücher. Sie kommt seit 1998 regelmäßig in den Bus. Johannes steht mehr auf Detektivgeschichten und spannende Krimis. „Oft werden die Kinder und Jugendlichen von ihren Eltern aufmerksam gemacht oder gleich mitgebracht“, stellte man in der Fahrbibliothek fest.

„Auch die erwachsenen Leser fragen natürlich Bestseller“, sagt Manfred Bönehrt, der sich über jeden Besucher freut. Gelesen wird immer. Und die Leselust gibt es in den elf Jahren, in denen er mit dem Bus unterwegs ist, immer noch.

Rollende Büchereien gibt es in erstaunlich vielen Orten Deutschlands, verrät ein Blick ins Internet. Mit ihnen erreicht man auch die Menschen in kleinen Orten, die nicht bis zu einer „stationären“ Bibliothek fahren können. Weil heute viel gespart wird, musste auch der Märkische Kreis vor sechs Jahren auf einen von zwei Bücherbussen verzichten. Aber der verbliebene Bus ist von den Benutzern heiß und innig geliebt. Die Besatzung des Busses hat für jeden Leser ein freundliches Wort übrig. Vielleicht sorgt auch dieses persönliche Verhältnis für die Erfolgsgeschichte des mobilen Lesetreffs. Denn die Bilanz dieses Bücherbusses kann sich sehen lassen: Jährlich werden etwa 83 000 Einheiten von ungefähr 2 200 Lesern ausgeliehen.


Wie oft kommt der Bücherbus in einen Wohnort?

 

1.  Einmal in der Woche.

2.  Zweimal in der Woche.

3.  Einmal in 4 Wochen.

4.  Einmal in 3 Wochen.

2.  
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Ein Museum ohne Besucher

Es gibt ein Museum, das gibt es gar nicht. Es steht in Hagen in Westfalen, doch Besucher können nicht hineingehen. Wie bitte? Das Museum besitzt über 500 Kunstwerke, aber kein Mensch kennt die Künstler. Glaubt ihr das? Dort gibt es auch ein Eiscafé, aber Eis und Kaffee kann man dort nicht bekommen. Ist es wirklich so?

Ja, die Geschichte ist wahr. Hermann Hackstein, Kunstlehrer in Hagen, sammelt seit vielen Jahren Kunstwerke, die Schüler gemacht haben. „Ich wollte nicht, dass man die vielen Bilder und Objekte wegwirft“, erzählt er. „Die Arbeiten aus dem Kunstunterricht zeigen genau, wie Schüler ihre Umwelt sehen“. Darum gründete er vor zwei Jahren das ´Deutsche Museum für Schulkunst´.

Die Stadt Hagen fand Hacksteins Idee gut. Doch sie hatte nur einen kleinen Raum in einer alten Villa. Den durfte der Kunstlehrer benutzen. Oben unter dem Dach sind nun das Büro und der Lagerraum des Museums. Große Ölbilder und Figuren aus Holz stehen an der Wand. In einem Regal liegen Fotos, Collagen und andere Objekte. Räume für Ausstellungen gibt es nicht. Das Museum ist einmalig in Europa. Die schönsten Stücke der Sammlung sind ein Eiscafé, eine Modeboutique und ein HIFI- Studio. Es sind Fantasie Modelle aus Pappkarton. Schüler haben die Mini-⁠Geschäfte gebaut  — mit allem, was dazu gehört. In dem Eiscafé steht eine Musikbox. Sie sieht genauso aus wie ihr großes Vorbild. An der Wand hängt eine kleine Uhr. Sie ist aus dem Deckel einer Flasche gemacht. Viele Einzelheiten erkennt man erst, wenn man genau hinschaut.

Schüler aus Dortmund überlegten zum Beispiel? Wie kann man Madonna oder die Pet Shop Boys´ einpacken? Sie machten neue Hüllen für die Schallplatten ihrer Lieblingsstars. Jetzt hat Lehrer Hackstein die Arbeiten in seinem Museum. Das größte Bild in Hagener Villa kommt aus einer Hamburger Schule. Es ist zwei Meter groß und vier Meter breit. Viel Platz hat der Museumsdirektor ohne Haus nicht mehr für solche „Riesen“. Schon jetzt kann man sich in dem kleinen Dachzimmer kaum noch bewegen. Doch täglich kommen neue Arbeiten. Manchmal sucht der Kunstlehrer aus Hagen auch Werke zu bestimmten Themen. Gerade jetzt sammelt er Bilder und Objekte zum Thema „Schüler gestalten die Umwelt“.

Wie zeigt ein Museum ohne Räume seine Schätze? Im Moment organisiert Hackstein Wander- Ausstellungen. Doch bald soll es ein richtiges Museum geben. „In zwei Jahren haben wir Ausstellungsräume. Da können dann die Besucher unsere Sammlung sehen“, hofft Hermann Hackstein.


Wie viele Kunstwerke gibt es im Museum?

 

1.  500.

2.  200.

3.  100.

4.  50.

3.  
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Johannes Gutenberg

Im Jahr I450 wurde in Straßburg eine Bibel verkauft. Sie kostete 60 Gulden  — soviel wie ein kleiner Bauernhof. Dies war jedoch keineswegs ein Höchstpreis. Man zahlte damals bis zu 100 oder sogar 120 Gulden für ein Buch; man tauschte Bücher gegen Häuser und Land; man befestigte sie mit Ketten an schweren Tischen, denn Bücher waren seltene Kostbarkeiten, oft kostbarer als Silber und Gold. Kein Wunder: die Kanzleien der Fürsten und Städte, die neuen Schulen und Universitäten, die Kirchen und Klöster  — die ganze gebildete Welt hungerte nach Büchern.

Heute noch leben wir im Zeitalter des gedruckten Wortes. Dieses Zeitalter begann vor mehr als 500 Jahren mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg.

Über Gutenbergs Leben wissen wir wenig. Man nimmt an, dass er einige Jahre vor 1400 in Mainz geboren wurde.

Was war das Neue an Gutenbergs Erfindung? Die Kunst Bilder oder Wörter in Münzen, ja sogar auf Papier oder Pergament zu drucken, kannte man schon vor Gutenberg. Im 11. Jahrhundert gab es in China bereits Druckereien; um 1400, zur Zeit der Kindheit Gutenbergs also, auch in Korea. Das Neue und Entscheidende an Gutenbergs Verfahren war, dass er die Buchstaben einzeln goss. Zu diesem Zweck hatte er ein besonderes Gerät erfunden. Nach vielen Versuchen fand er für den Guss die geeignete Legierung aus Blei, Zink und anderen Metallen. Jeder gegossene Buchstabe befand sich auf dem Ende eines Stäbchens. Diese Stäbchen, „Lettern“ genannt, wurden zu Wörtern zusammengesetzt, diese wiederum zu Zeilen und Seiten. Den Letternblock für eine Seite spannte Gutenberg in einen Rahmen, bestrich ihn dann mit schwarzer Farbe und konnte schließlich mit Hilfe einer „Presse“ den „Schriftsatz“ auf Papier oder Pergament drucken.

Am 3. Februar 1468 starb Gutenberg. Aber er hatte es noch erlebt, dass seine Erfindung sich über die Welt auszubreiten begann, dass man nicht nur in Mainz, sondern auch in Straßburg und Köln, in Rom, Barcelona und Pilsen Bücher druckte. Sieben Jahre nach Gutenbergs Tod arbeiteten deutsche Drucker in Utrecht, Brügge und Pans, in Venedig, Florenz und Neapel, in Budapest und Krakau, in Valencia. Im Jahr 1500 gab es in 260 Städten Europas 1120 Druckereien, in denen insgesamt schon mehr als zehn Millionen Bücher hergestellt worden waren. Dennoch: Verglichen mit unseren heutigen Möglichkeiten war die alte Drucktechnik noch sehr langsam. Erst 1810 gelang die erste bedeutende Verbesserung, der Druck mit einem sich drehenden Zylinder. 1814 arbeitete die erste dieser „Schnellpressen“ bei der Londoner „Times“. Jetzt war es möglich, billige Tageszeitungen zu drucken, wie wir sie heute kennen.

Die nächsten Schritte waren die Rotationsmaschine mit mehreren rotierenden Zylindern (1863) und eine Setzmaschine (1886), mit der man wie auf einer Schreibmaschine schreiben konnte. In jüngster Zeit haben Computer und Lasertechnik die Druckkunst weiter revolutioniert. Die Erfindung der Buchdruckerkunst ist das größte Ereignis der Weltgeschichte.


Die Bücher im Mittelalter...

 

1.  ...waren nicht teuerer als Silber und Gold.

2.  ...wurden gegen Häuser und Land getauscht.

3.  ...wurden in den Universitäten gedruckt.

4.  ...waren billig und sehr verbreitet.

4.  
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Wenn Groß und Klein zusammenlernen

Bevor der Unterricht in der 2a der Hamburger Gesamtschule Osterbrook losgehen kann, müssen die Kinder erst einmal ihre Stühle zu einer U-⁠Form umstellen. Schnell hat jeder seinen Platz gefunden. „Die Großen dürfen auch ein bisschen näher kommen“, sagt Ute Stather und blickt dabei auf die hintere Reihe im Klassenzimmer. Die Großen sind neun Mütter und ein Vater. Nach kurzem Überlegen setzen sie sich direkt hinter die Kinder. Dann liest Stather aus einem Kinderbuch vor.

„Die Eltern sollen zu Hause mit den Kindern mehr lesen und sich mit Sprache zu beschäftigen“, sagt Dr. Gabriele Rabkin vom Hamburger Institut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Sie leitet das Pilotprojekt „Family Literacy“, kurz FLY genannt, das von der UNESCO mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Es hilft Eltern, bei ihren Kindern Spaß an der Sprache zu wecken. Das Projekt FLY vermittelt Schreib- und Lesekompetenz an Kinder und ihre Eltern. Dazu besuchen die Eltern etwa alle zwei Wochen mit ihren Kindern zusammen den Unterricht. „In anderen Ländern gibt es so etwas schon lange, in Deutschland war es höchste Zeit“, sagt Rabkin. Seit 2004 gibt es das Projekt, bisher nur in Hamburg. Mittlerweile nehmen 44 Schulen daran teil. In erster Linie richtet es sich an Familien von Zuwanderern. Für die Lehrerin Stather, die seit Beginn bei FLY mitmacht, war der gemeinsame Unterricht mit der Familie eine Umstellung. Denn für die Lehrer bedeutet dies vor allem mehr Arbeit. Die Lehrer werden aber in der Praxis begleitet. Sie können sich mit Fragen und Problemen, die sich meist aus dem Zusammentreffen der verschiedenen Kulturen ergeben, an das Institut wenden, sich mit Kollegen austauschen. Denn in ihrer Ausbildung wurden die Lehrer auf diese Form des Unterrichts nicht vorbereitet. Trotz der Mehrbelastung sieht Stather vor allem Vorteile in diesem Projekt. „Der Weg zu den Eltern ist eindeutig kürzer geworden“, sagt sie. Einer ihrer Schüler hat immer wieder Fehler gemacht, wenn er das Datum schrieb. Stather konnte die Mutter sofort bitten, dies zu Hause zu üben. Bereits in der nächsten Woche hat der Junge keinen Fehler mehr gemacht. Die Eltern sehen, was wir hier machen und können dann auch besser verstehen, worin ihr Kind unterstützt werden muss“, sagt sie. Und vor allem ist das Interesse an der Schule größer geworden. Dass viele Eltern den FLY-⁠Unterricht auch als eigenen Deutschunterricht sehen, ist doch ein schöner Nebeneffekt, so Rabkin. Viel wichtiger ist es, dass sie ihre Kinder anhalten, in ganzen Sätzen zu sprechen, mit ihnen Bücher anschauen und darüber reden oder auf dem Weg zur Schule Buchstaben suchen. Daher wird auch im Unterricht immer wieder die Muttersprache der Eltern mit einbezogen. „Wenn sie in ihrer Muttersprache viel mit den Kindern lesen und reden, können diese auch leichter Deutsch lernen“, sagt Stather. Neben dem Unterricht in der Schule werden Elternnachmittage angeboten, bei denen mit den Kindern gespielt wird oder sich die Eltern über die nächsten Aktivitäten informieren können. Zudem werden regelmäßig Ausflüge gemacht, etwa in die Bibliothek.


Das Projekt FLY wird ... realisiert.

 

1.  An wenigen Schulen in Hamburg.

2.  In den Kleinstädten.

3.  An allen deutschen Schulen.

4.  Nur an Grundschulen.

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Die deutsche Sprache in Afrika

Wohl in keinem afrikanischen Land wird soviel Deutsch gesprochen wie in Kamerun: von etwa 300.000 Menschen. Deutsch ist angesagt in Kamerun  — nicht nur wegen der Möglichkeiten so einen besseren Job zu bekommen. Hilaire Mbakop plaudert über das Wetter. Das tut er sehr anschaulich und in bestem Deutsch. Denn Deutsch ist die Sprache, in der er träumt, in der er schreibt. Hilaire Mbakop ist Präsident des Vereins deutschsprachiger Schriftsteller in Afrika. Ein kleiner Verein, der erst im Oktober 2009 gegründet wurde und bislang eine Handvoll Mitglieder zählt.

Wieso schreibt er ausgerechnet auf Deutsch? »Ich bin ja Literaturwissenschaftler, habe in Deutschland studiert. Und ich nutze die deutsche Sprache, um bestimmte Sachen präzise und klar ausdrücken zu können«. Präzise und klar sieht er auch die Ziele seines Vereins: »Wir sollten versuchen, den großen deutschsprachigen Markt zu nutzen um die Zensur hier in Kamerun zu umgehen«.

Hilaire Mbakop hat selbst schon Ärger wegen seiner klaren Worte bekommen. Von heute auf morgen und ohne Begründung wurde sein Job als Dozent an der Universität Jaunde gekündigt. Eine Strafaktion für sein Buch »Mambes Heimat«, so vermutet er, denn in dem in Deutschland veröffentlichten Buch beschreibt er schonungslos den Alltag in Kamerun.

Jetzt arbeitet der 37-⁠Jährige an einer Kolonialgeschichte Kameruns, vor allem die Zeit der Unabhängigkeit interessiert ihn, »und dabei werde ich auf ein Stilmittel Goethes zurückgreifen: Fakten mit Fiktion vermischen und eher einen Roman als ein Sachbuch schreiben«.

Goethe ist auch einer der Lieblingsschriftsteller von David Simo. Aber der Chef der Germanistischen Fakultät in Jaunde ist eher ein Freund neuester und neuerer deutscher Literatur wie Hubert Fichte und auch Günther Grass. Deutschland fasziniert ihn, er ist ständig bei Kongressen und Tagungen, hält sich auf dem Laufenden, vermittelt aber auch Informationen über Germanistik in 42

einem afrikanischen Land. In Kamerun gibt es etwa 300.000 Menschen, die Deutsch lernen oder sprechen, seine eigene Fakultät erlebt einen stetig wachsenden Zulauf. Hängt das nur damit zusammen, dass Kamerun ein deutsches Schutzgebiet war?

»Aber nein, das hängt paradoxerweise mit den Franzosen zusammen, die ja das koloniale Erbe angetreten hatten«, erklärt Simo. Denn Deutsch war in Frankreich eine verpflichtende Fremdsprache und in Kamerun wurde das französische Schulsystem eins zu eins übernommen. Also auch die Fremdsprache Deutsch als Schulfach.

Doch die Germanistik in Kamerun hat sich weiterentwickelt. »Wir können natürlich in Kamerun nicht so lehren wie in Asien oder in europäischen Ländern. Hier heißt Germanistik auch, sich mit der deutsch-⁠kamerunischen Geschichte zu beschäftigen. Aber natürlich geht es auch um das Land Deutschland und dessen Besonderheiten«.

Das sieht auch Charles Ekollo so. Der Gennanistik-⁠Student ist, wie er sagt, »eher durch Zufall in dieses Studienfach geraten. Denn die Fächer Englisch und Französisch waren schon belegt. Da habe ich eben Deutsch genommen und dann gemerkt, wie faszinierend Germanistik ist«. Ekollo verspricht sich auf zwei Ebenen Gewinn durch sein Studienfach: Zum einen erhofft er sich einen guten Job als Deutschlehrer oder im diplomatischen Dienst  — zum anderen aber auch Erkenntnisse über seine eigene Identität als Afrikaner. »Denn indem ich mich mit der Geschichte der deutsch-⁠kamerunischen Beziehungen beschäftige, erfahre ich auch etwas über meine Geschichte als Afrikaner. Unsere eigene Tradition und Geschichte wird ja in der Schule kaum gelehrt«.

Dafür aber Deutsch als Sprache. In den weiterfuhrenden Schulen können sich die Schüler zwischen Spanisch und Deutsch als zweiter Fremdsprache entscheiden  — und »fast immer wählen sie Deutsch«, freut sich Marie Noelle Ntouba Ngolle. Sie ist Deutschlehrerin in Duala und hat schon hunderte Kinder unterrichtet. Viele davon wollen selbst Deutschlehrer werden, »aber die meisten interessieren sich einfach für Deutschland als Wirtschaftsmacht und Kulturland«.


Hilaire Mbakop schreibt auf Deutsch, weil...

 

1.  ...es sein alter Traum ist.

2.  ...diese Sprache exakt und klar ist.

3.  ...er in Deutschland aufgewachsen ist.

4.  ...in Kamerum viele Deutsch lesen können.

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Schweiz: Von Franken und Kantonen

In der Schweiz ist eine Zunahme an Schülern zu verzeichnen, die eine Privatschule besuchen. Eine Privatschul-⁠Hochburg ist die Schweiz aber nicht. Die Zahl der Schüler, die im Rahmen der Schulpflicht eine- Privatschule besuchen, liegt mit 3,4 Prozent sogar noch niedriger als in Deutschland. Im europäischen Vergleich besuchen also wenig Schüler in der Schweiz eine Privatschule. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass das öffentliche Bildungssystem in der Schweiz grundsätzlich als ausreichend empfunden wird.

In der Schweiz sind die einzelnen Kantone für die Bildung zuständig. Die gesamte Schulausbildung umfasst in der Schweiz zwölf Schuljahre. Die verpflichtende Primarschule umfasst sechs Jahre in der Schweiz, danach wird die Sekundarstufe I besucht  — nach Abschluss dieser ist die Schulpflicht von neun Jahren erfüllt. In der Sekundarstufe II kann dann das Abitur oder die Matura erlangt werden.

Nicht zuletzt wegen der vier Landessprachen  — Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch  — fördert die Schweiz in besonderem Maße die multikulturelle Bildung. Auch die internationalen Beziehungen der Schweiz wachsen und immer mehr Ausländer siedeln sich in der Schweiz an. Aktuelle Statistiken zu den Privatschulen in der Schweiz zeigen, dass die Zunahme der Privatschulen vor allem durch neue ausländische und zweisprachige Programme zu erklären ist.

Um eine Alternative zu dem guten bestehenden Bildungssystem der Schweiz zu bieten, sind viele Privatschulen mehrsprachig, konfessionell geprägt oder haben sich einer bestimmten Pädagogik verschrieben. Zahlreiche Privatschulen in der Schweiz sind Waldorfschulen nach der Rudolf Steiner- Pädagogik. Viele der Privatschulen bieten einen Schulbesuch sowohl für interne Schüler (also in Form eines Internates) als auch für Tagesschüler an. Es gibt in der Schweiz Privatschulen für jede Altersstufe und Schulart  — von der Vorschule bis zur Universität.

Während die Zahl der konfessionell geprägten Privatschulen schon lange konstant bleibt, sinkt die der Privatschulen mit reformpädagogischem Profil. In den fmanzstärkeren Kantonen der Schweiz besuchen mehr Schüler eine Privatschule und insgesamt sind es mehr Jungen als Mädchen.

Nahezu alle bekannten Privatschulen in der Schweiz haben sich im Verband schweizerischer Privatschulen zusammengeschlossen. Dieser zählt 260 Mitgliedsschulen. Die Privatschulen in der Schweiz unterliegen den kantonalen Schulgesetzen.

Die meisten Privatschulen der Schweiz sind selbsttragend oder sogar gewinnorientiert. Einige erhalten öffentliche Zuschüsse. Zunehmend sollen vor allem Privatschulen bezuschusst werden, die Aufgaben übernehmen, die das öffentliche Schulsystem nicht leisten kann, wie zum Beispiel bei besonderer Begabung, Verhaltensauffälligkeiten oder Sporttalenten. Je nach Kanton wird die Unterstützung und Förderung der Privatschulen anders gehandhabt. Meist fordern diese nur Angebote, an denen sie besonderes Interesse haben. Die Vollfinanzierung von Privatschulen ist allerdings in keinem Kanton vorgesehen.

Da sich die Privatschulen überwiegend selbst finanzieren, sind die Schulgelder für Privatschulen in der Schweiz entsprechend hoch  —je nach Privatschule aber unterschiedlich. Für gewöhnlich richtet sich das Schulgeld nach dem Einkommen der Eltern und liegt zwischen 550 und 3.000 Franken monatlich (Verhältnis zum Euro etwa 1,3 : 1). Durchschnittlich zahlen Eltern jährlich für einen Schüler auf einer Privatschule in der Schweiz 15.000 Franken  — das sind über 10.000 Euro.

Die Rudolf Steiner-⁠Schulen setzen sich verstärkt dafür ein, dass Eltern finanziell entlastet werden, die ihren Kindern eine private Schule finanzieren. Schließlich zahlen diese durch ihre Steuern auch für die öffentlichen Schulen, die ihre Kinder aber nicht in Anspruch nehmen. Die Idee einer Initiative ist, den Privatschulen das Geld zukommen zu lassen, welches ein Kind auf einer öffentlichen Schule an Kosten verursachen würde. Dadurch könnte das Schulgeld bezahlt oder zumindest verringert werden.

Nicht alle Privatschulen unterstützen diese Initiative, da sie fürchten, in der freien Gestaltung ihrer Schule beschnitten zu werden. Auch könnten sich die Privatschulen ihre Schüler nicht mehr selbst aussuchen  — nicht jeder Schule gefällt das. Das Ziel ist, Schüler aller sozialen Schichten aufnehmen zu können: Nicht nur wohlhabenden Eltern sollte die Wahl einer geeigneten Schule und des gewünschten pädagogischen Konzeptes vorbehalten sein.


In der Schweiz besuchen wenige Schüler eine Privatschule, weil...

 

1.  ...viele Kinder auf eine Privatschule im benachbarten Deutschland gehen.

2.  ...das staatliche Schulsystem gut genug ist.

3.  ...es eine große Nachfrage nach mehrsprachigen Programmen gibt.

4.  ...es überhaupt wenige Kinder gibt, die im Rahmen der Schulpflicht eine Schule besuchen.

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Die Bundeskanzlerin

Die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Angela Merkel (Mädchenname: Angela Dorothea Kasner) wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg-⁠Barmbek geboren. Hier hatten sich ihre Eltern während des Studiums ihres Vaters kennen gelernt.

Angelas Vater, Horst Kasner, stammt aus Berlin-⁠Pankow und studierte Theologie in Heidelberg und Hamburg. Kurz nach Angelas Geburt trat er seine erste Pfarrstelle bei der Evangelischen Kirche in Berlin-⁠Brandenburg an, durchaus im Wissen darum, dass das Leben als Pfarrer in der DDR schwierig sein würde. Die Kirchen in der DDR waren bestenfalls gelitten und galten als ein Überbleibsel des kapitalistischen Systems. Pfarrer waren einerseits gefürchtet wegen ihres umfangreichen Wissens, andererseits belächelt als Ewiggestrige. Hinzu kam, dass DDR-⁠Pfarrer äußerst geringe Gehälter erhielten. Das alles wusste Kasner  — und kam zurück, weil er nicht «bei den Fleischtöpfen Ägyptens» bleiben wollte, während in der DDR Pfarrer dringend gebraucht wurden.

Horst Kasner, auch der »rote Kasner« genannt, hatte Sympathie für sozialistische Ideale. Frühzeitig und überzeugt trat er für die Kirche im Sozialismus ein: Die evangelische Kirche sollte sich nicht im Kampf gegen den Staat aufreiben, sondern unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen leben und arbeiten, vor allem auch den Dialog mit den staatlichen Stellen suchen. Er gehörte später zur Leitung des Weißenseer Kreises, der als staatsnah und linkselitär galt, der aber 66 sowohl dem Staat als auch der Kirche suspekt war. Die Meinungen über Kasners Beziehung zum DDR-⁠Regime sind bis heute geteilt.

Angelas Mutter, Herlind Kasner geb. Jentzsch, eine fröhliche, lebenslustige Frau, durfte als Frau eines Pfarrers in der DDR ihren Beruf als Englisch- und Lateinlehrerin nicht ausüben  — zu sehr fürchteten sich die Verantwortlichen vor anderen Weltanschauungen und deren möglichen Einflüssen auf die Schüler. Was für Herlind Kasner selbst von Nachteil war, sollte für ihre Kinder von großem Nutzen sein: Es gab viel Zeit für Gespräche über alle Sorgen und Probleme. Im Gegensatz zu den meisten DDR- Bürgern war es Kasner und seiner Frau bereits vor dem Rentenalter vergönnt, in »nichtsozialistische« Länder zu reisen, sogar in die USA.

Angela Kasner kam mit acht Wochen in die DDR. In einem Dorf in der Prignitz trat ihr Vater seine erste Pfarrstelle an. Drei Jahre später übernahm er die Leitung des Waldhofs bei Templin, einer Kreisstadt in der Uckcnnark. Dort gab es zwei Einrichtungen in unmittelbarer räumlicher Nähe: Am von .Kasner geleiteten Kolleg konnten Pfarrer sich weiterbilden', und es gab Kurse für Vikare, die vor dem zweiten Examen standen. Außerdem befand sich auf dem Gelände ein Heim für geistig Behinderte.

Angela redete früh, aber sie lief nicht. Sie sei «ein kleiner Bewegungsidiot» gewesen, sagt sie. Erst mit fünf Jahren lernte sie, wie man einen Berg hinunterläuft. Dafür zeigte sie bereits in diesem Alter Bestimmer-⁠Qualitäten: Anstatt selbst zu laufen, schickte Angela ihren drei Jahre jüngeren Bruder.

Das Verhältnis zu Eltern und Geschwistern  — dem Bruder und der zehn Jahre jüngeren Schwester  — war sehr innig, die Erziehung streng. Durch die auch in ihrem Haushalt aus und ein gehenden Behinderten erlebten die Kinder täglich normalen Umgang zwischen gesunden und kranken Menschen.

Templin liegt in landschaftlich reizvoller, waldreicher Umgebung. Es gab Tiere und eine Gärtnerei auf dem Gelände. Großmutter und Tante aus Hamburg kamen oft zu Besuch, und die Pakete mit Lebensmitteln und Kleidung ermöglichten ein angenehmeres Leben als in den meisten DDR- Pfarrhaushalten. Sie habe »praktisch nie DDR-⁠Klamotten getragen«, erzählt Angela Merkel noch heute. Ihr Vater verfügte über eine große Bibliothek, auch mit »unerlaubter« Literatur. Durch Bücher und umfangreiche Anregung wurden die Kinder der Familie Kasner zu geistig regen, vielseitig interessierten Menschen mit einer umfassenden Bildung.

1961 wurde Angela in Templin eingeschult. Etwas später als ihre Mitschülerinnen wurde sie, anders als die meisten DDR-⁠Pfarrerskinder und auf eigenen Wunsch, Mitglied bei den Jungen Pionieren. Dennoch blieb es auch ihr nicht erspart, von Lehrern wegen Kleinigkeiten vor der Klasse vorgeführt zu werden.


Angela Merkel wurde in ... geboren.

 

1.  Berlin.

2.  Hamburg.

3.  Heidelberg.

4.  Brandenburg.

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Robert

Robert wohnt mitten in Berlin. Er schwimmt und taucht gern, baut an seiner Werkbank  — und ist mit elf Jahren schon ein gewiefter Geschäftsmann hinterm Kinderzimmer-⁠Tresen. Seine Hobbys sind manchmal mit weiten Wegen verbunden und seine Tage geschäftig, doch Robert genießt die Großstadt. Werktags ist ab sechs Uhr früh geöffnet, samstags ab sieben. Das sind nicht die Öffnungszeiten irgendeines Supermarkts, sondern die des kleinen Robert. Der Berliner hat in seinem Kinderzimmer zwischen Hochbett und Schreibtisch einen kleinen Tresen aufgebaut. Hier verkauft er Süßes und Knabberzeug an seine Familie und Freunde  — und bessert sich damit das Taschengeld auf. Seit etwa drei Jahren macht er das schon so. Dabei ist er immer darauf bedacht, dass er auch »konkurrenzfähig« bleibt. »Hier, so ein Glückskeks kostet an der Tankstelle 50 Cent, bei mir nur 20«!, erklärt der Junge. Stolz zeigt er seine »Kasse«  — eine Geldkassette mit Münzen aller Werte. Sogar einen Zahlteller hat er, wie im richtigen Laden.

Neben dem «Geschäfte machen» hat Robert noch viele andere Hobbys: tauchen, schwimmen, mit Bausteinen spielen, an seiner Werkbank etwas bauen  — oder auch mal etwas auseinander nehmen. Gerade versucht er sich am Herstellen von Schmuck: einen schönen Stein bearbeiten und lackieren. »Im Laden ist so was ja teuer, ich könnte das billiger herstellen«, ist er schon wieder ganz Geschäftsmann. Möglicherweise wird er das ja auch mal zum Beruf machen. Am liebsten würde er aber Lehrer oder Polizist werden. Falls ihm da sein Notendurchschnitt von 2,4 einen Strich durch die Rechnung machen sollte, wird er eben Kaufmann. Rechtsanwalt wie sein Vater will er jedenfalls lieber nicht werden. »Da hat man viel zu spät Feierabend. Papa ist ja immer so lange weg«, erklärt er.

Robert wohnt mitten im Herzen Berlins. Am südlichsten Zipfel des Bezirks Prenzlauer Berg lebt er mit seiner Familie in einer riesigen Altbauwohnung. Weit über hundert Quadratmeter, stuck verzierte Decken. Von hier aus kann man den Fernsehturm sehen. Zentraler geht's kaum  — aber das fordert auch seinen Tribut: Sechs Spuren Innenstadtverkehr rauschen vor den Fenstern vorbei, dazu die Straßenbahn, und eine Baustelle gibt's auch. An Schlafen mit offenem Fenster ist hier nicht zu denken.

Roberts Tag ist geschäftig: Täglich geht's in die Schule nach Karlshorst. Von seiner Wohnung in der City braucht er rund 45 Minuten bis dort hin: S-⁠Bahn, umsteigen, Straßenbahn, laufen. Kein kurzer Schulweg. Robert besucht eine Privatschule, die vor allem auf Kreativität und Förderung zielt. Mittwochs hat er Arabisch, einmal pro Woche bekommt er zu Hause Flöten- und Keyboard-⁠Unterricht. Sein Französisch-⁠Zusatzkurs ist am Nöllendorfplatz  — wieder viel Fahrerei. Und auch seine Freunde wohnen quer übers Stadtgebiet verteilt. So zentral Robert also auch in der Großstadt wohnt, so viel müssen er und seine Familie trotzdem umherfahren. Supermarkt und Kino gibt's zwar an jeder Ecke, aber Individualität und Hobbys haben auch hier ihren Preis  — und kosten Zeit. Meist ist Robert am späten Nachmittag nicht vor seiner Mutter zu Hause, das ist so gegen 17 Uhr. Trotzdem fühlt er sich wohl in der lauten Großstadt. »Mal auf dem Land wohnen, das wäre schon ok, aber die Stadt bietet einfach mehr«, sagt er. Und wenn die Familie doch mal wieder genug vom Großstadtlärm hat, fährt sie zum Ausspannen in den Urlaub. »Ich war schon 13 Mal in Frankreich«, erzählt Robert stolz. Da betreibt er dann übrigens auch sein kleines »Geschäft« und verkauft Süßigkeiten und Knabberzeug an seine Familie. Seine »Ware« nimmt er auf der Hutablage hinter dem Rücksitz mit.


Robert vekauft Süßigkeiten in...

 

1.  ...in einem Supermarkt.

2.  ...in seinem Kinderzimmer.

3.  ...in einer Bank.

4.  ...in einer Schule.

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Paul Klee

Paul Klee wurde als Ernst Paul Klee am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern als zweites Kind des deutschen Musiklehrers Hans Wilhelm Klee und der schweizerischen Sängerin Ida Klee, geb. Frick geboren. Der Vater stammte aus Thann in der Rhön und studierte am Stuttgarter Konservatorium Gesang, Klavier, Orgel und Violine. Dort lernte er seine spätere Frau Ida Frick kennen. Bis 1931 wirkte Hans Wilhelm Klee als Musiklehrer am Berner Staatsseminar in Hofwil bei Bern. Paul Klee konnte durch sein Elternhaus seine künstlerischen Fähigkeiten musisch entwickeln. Die Musik war für ihn eine ständige Quelle der Anregung und Inspiration, bis an sein Lebensende.

Im Jahr 1880 zog die Familie nach Bern. Von 1886 bis 1890 besuchte Klee die Primarschule und erhielt mit sieben Jahren Geigenunterricht bei Carl Jahn, dem Violinlehrer der Städtischen Musikschule. Das Geigenspiel beherrschte er bald so meisterhaft, dass er bereits als Elfjähriger als außerordentliches Mitglied bei der Bernischen Musikgesellschaft spielen durfte. Weitere Interessen lagen im Zeichnen und Dichten. In seinen Schulbüchern und -heften finden sich zahllose Karikaturen. Mit dem Zeichenstift erfasste er schon früh die Silhouetten der umliegenden Städte wie Bern und Fribourg und der sie umgebenden Landschaft. Sein zeichnerisches Talent wurde jedoch nicht gefordert, da seine Eltern ihn zum Musiker ausbilden lassen wollten. 90 

Klees Doppelbegabung machte es ihm nicht leicht, sich zwischen der Ausbildung in Musik oder Malerei zu entscheiden; seine Wahl fiel auf die Kunst  — er opponierte damit gegen den Wunsch seiner Eltern  —, daher studierte er zuerst Grafik in München an einer Privatschule bei Heinrich Knirr und bildete sich 1899 bei Walter Ziegler in der Technik des Radierens aus. Am 11. Oktober 1900 gelang es Klee, in die Malklasse von Franz von Stuck an der Kunstakademie in München aufgenommen zu werden, an der gleichzeitig Wassily Kandinsky studierte. Die beiden begegneten sich jedoch nicht, da Klee nur sporadisch am Unterricht teilnahm und im März 1901 die Akademie wieder verließ, da er dem Unterricht wenig abgewinnen konnte. Wie sich später herausstellen sollte, hatten Klee und Kandinsky in München in derselben Straße gewohnt  — in der Ainmillerstraße, nur einige Häuser voneinander entfernt.

Im September 1906 zog Klee endgültig nach München und heiratete die Pianistin Lily Stumpf, die er 1899 kennen gelernt hatte. Ein Jahr später wurde der Sohn Felix geboren. Klee übernahm zum großen Teil die Kindererziehung und den Haushalt in ihrer Wohnung in Schwabing, Lily erteilte Klavierstunden, trat aber nicht mehr als Pianistin auf.

Im Herbst 1911 machte er die Bekanntschaft von August Macke und Wassily Kandinsky. Im Winter desselben Jahres schloss er sich dem «Blauen Reiter» an, einer künstlerischen Gemeinschaft der Expressionisten. Der Name der Gemeinschaft leitet sich von einem gleichnamigen Holzschnitt Kandinskys aus dem Jahr 1911 her, der 1912 als Buchtitelillustration zu dem Almanach diente.

Die Herausgabe des Almanachs wurde jedoch zugunsten einer Ausstellung aufgeschoben. Die erste der beiden Ausstellungen des »Blauen Reiters« fand vom 18. Dezember 1911 bis zum 1. Januar 1912 in der Modernen Galerie Heinrich Thannhauser in München statt. Klee war in dieser Ausstellung nicht vertreten, jedoch wurden in der zweiten Ausstellung, die vom 12. Februar bis zum 18. März 1912 in der Galerie Goltz stattfand, 17 grafische Arbeiten von ihm gezeigt. Diese zweite Ausstellung hieß programmatisch »Schwarz-⁠Weiß«, da sie ausschließlich Druckgrafik berücksichtigte. Kandinsky und Marc gaben den bereits 1911 geplanten Almanach »Der Blaue Reiter«, in dem mehrere Werke Klees reproduziert worden waren, im Mai 1912 im Piper Verlag heraus.

Als Sohn eines deutschen Vaters wurde Klee im Ersten Weltkrieg am 11. März 1916 als Rekrut einberufen. Er war erst »Kunstmaler« und besserte die Tarnbemalung der Flugzeuge aus. Dann war er als Schreiber des Kassenwarts tätig, daher blieb ihm ein Fronteinsatz erspart, und er konnte die Malerei im Krieg fortführen. In Herwarth Waldens Galerie »Der Sturm« gab es im März 1916 eine erste Ausstellung seiner abstrakten Aquarelle, eine zweite folgte im Februar 1917. Der Verkauferfolg war gut, und Waiden forderte neue Werke an, da der Kunstmarkt positiv reagierte.


Die Eltern von Paul Klee waren...

 

1.  ...Maler.

2.  ...Sänger.

3.  ...Dichter.

4.  ...Musiker.

10.  
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Ohne Auto? Nein, danke!

Verstopfte Straβen. Die ewige Suche nach Parkplätzen. Stinkende Staus in ständig wachsenden Blechlawinen. Über 40 Millionen Fahrzeuge rollen auf Deutschlands Straβen  — und täglich werden es mehr. Welcher Autofahrer gibt nicht längst zu, dass er manchmal reichlich genervt ist? Und ein schlechtes Gewissen haben wir auch. Denn wir hören täglich die Meldungen über verpestete Luft, Ozonloch, Waldsterben, das die sich immer vergrößernde Flotte auf vier Rädern verursacht. Na und? Deshalb den Wagen gleich ganz abschaffen? Da sagen spontan fast alle erst einmal „Nein. Kommt für uns nicht in Frage“. Aber eines ist für sie klar, es ist höchste Zeit nach langfristig vernünftigen Lösungen zu suchen. Einige Möglichkeiten, die Nerven und die Umwelt, vielleicht auch den Geldbeutel gleich mitzuschonen, bringt Journal für Deutschland. Vielleicht ist ja ihr Zukunftsmodell dabei.

Auf Platz eins rangieren Fahrgemeinschaften. Die Idee ist einfach. Wer zusammen arbeitet, fährt gemeinsam ins Büro. Treffpunkt ist zum Beispiel eine Autobahnbrücke: Dort steigen alle in ein Fahrzeug um. Spart Geld, hat sich schon tausendfach bewährt. Beispiel Ludwigshafen. Drei Frauen. Ein Arbeitsplatz. Kommunikationskauffrau Claudia Remmele: „Wir kennen uns seit der gemeisamen Ausbildung, wohnen alle in der Nähe. Die Firma ist rund 50 Kilometer entfernt. Auf Bus oder Bahn umsteigen? Da wären wir eine Stunde zu früh im Büro. So kamen wir auf die Idee. Zwei Autos bleiben stehen, in einem fahren wir zu dritt.“

Abwechselnd, reihum, jede Woche wird das Fahrzeug gewechselt. Die 18jährige: „Das war damals vor allem praktisch, weil wir uns vor Prüfungen gegenseitig noch schnell abfragen, austauschen konnten während der Fahrt. Seit dem Sommer arbeiten wir in verschiedenen Abteilungen, aber es gab noch nie Probleme, wir sind uns immer einig.“ Die Firma belohnt das Trio durch ein Bonusprogramm: Wer als Fahrgemeinschaft kommt, darf die Firma- Parkplätze in der unmittelbaren Nähe vom Haupteingang bekommen.

Car-⁠Sharing ist ideal für Nachbarn, Freunde, die aus Kostengründen oder Überzeugung umweltbewusster leben wollen. Musterverträge, in denen alle Streitfälle geregelt sind, gibt es bei allen Automobilclubs. So teilen sich zum Beispiel in Warendorf zwei Familien ein Auto. Ursula Gehrs: „Die Idee ergab sich von selbst. Erst brauchte ich mein Auto regelmäβig, weil Bus- und Bahnverbindungen zur nächsten Groβstadt zu schlecht sind, was bis zum Herbst 2006 dauerte. Da habe ich zum ersten Mal überlegt, dass der Wagen im Grunde zu teuer wird. Aber ohne Auto wäre ein Groβeinkauf für die Familie nicht vorstellbar. Wie auch mit drei Kindern im Alter zwischen 7 und 16 mal die Oma zu besuchen. Die Lösung brachte ein Gespräch mit meiner Freundin Hedwig, die schon lange ein Auto ermisste. Nicht für den Alltag, aber für Dringendes.

Jetzt kann sich ihre Familie ein „halbes“ leisten. Das funktioniert so: Beide fahren den Wagen (weiterhin zugelassen auf den Namen der Freundin) je eine Woche lang. Wer das Auto benutzt, zahlt 30 Cent Kilometergeld (Reparaturund Wartungskosten inklusive). Die Fixkosten werden geteilt. Alles läuft prima!“

Stattauto kommt aus Amerika und gibt es schon in 40 deutschen Städten. Wer ein Auto braucht, mietet es stunden-, tage-, wochenweise zum Minimaltarif. Der einzige Nachteil ist es, dass ein Stattauto nur für Mitglieder dieser Initiative mietbar ist. Beispiel Hamburg. Gisela Ockelmann will aus Überzeugung kein eigenes Auto, weil sie meist mit dem Rad fährt. „Trotzdem gibt es Situationen, da brauche ich dringend eins und möchte auf diesen Anspruch nicht verzichten.“ Sie trat der Initiative bei  — Aufnahmegebühr 100 Euro, monatlicher Vereinsbeitrag  — 20 Euro, Kaution 500 Euro. Dafür ist sie mobil, wenn sie es will.


Was gehört nicht zu Stressfaktoren für deutsche Autofahrer?

 

1.  Giftige Abgase.

2.  Langes Warten.

3.  Mangel an Parkplätzen.

4.  Nicht immer verständliche Verkehrsregeln.

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Obdachlose in Deutschland

Bundesweit, so schätzen die Wohlfahrtsverbände, sind über eine Million Menschen obdachlos. Dazu kommen noch einmal rund 2,6 Millionen Menschen, die allein im Westen der Bundesrepublik bei Freunden, Verwandten oder Bekannten leben  — die also keine eigene Wohnung haben. Nimmt man nun die Obdachlosen und diese quasi Obdachlosen sowie die Menschen, die in absolut unzumutbaren Wohnverhältnissen vegetieren müssen, dann leben in der Bundesrepublik rund vier Millionen Menschen in akuter Wohnungsnot oder sind obdachlos.

Menschen ohne eigene Wohnung gehören zu den Ärmsten der Armen. Ihre Mittel reichen nicht aus, um sich eine eigene Unterkunft zu leisten. Wohnungslosigkeit kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Die meisten Wohnungslosen leben in provisorischen Notunterkünften. Diese werden ihnen von den Gemeindebehörden mietfrei zur Verfügung gestellt, weil sie nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft eine Wohnung zu finanzieren. Menschen in Notunterkünften dieser Art haben zwar eine Wohnung, leben darin aber nicht als Mieter mit entsprechenden Rechten, sondern nur als vorübergehend geduldete Nutzer mit minderem Status, stärkeren behördlichen Reglementierungen und eingeschränkter Privatsphäre, weil die Behörden jederzeit Recht auf Zutritt und Kontrolle haben.

Die letzte Stufe der sozialen Deklassierung ist mit der Wohnungslosigkeit im strengen Sinn erreicht. Wohnungslos im strengen Sinn ist die relativ kleine Gruppe von Menschen, die kein dauerhaftes Dach über dem Kopf haben. Sie leben im Freien, „machen Platte“ (so der Jargonausdruck) in Parks, auf der Straße oder an anderen öffentlich zugänglichen Stellen. Einige verbringen die Nächte in Notübernachtungshäusern, den so genannten „Obdachlosenasylen“. Wer ohne Obdach leben muss, dem ist eine elementare Grundlage für ein gesichertes, menschenwürdiges Leben entzogen. Die Wohnung ist nicht nur materielle Basis für Wärme, Schutz und Geborgenheit, sondern unabdingbare Voraussetzung für Arbeit, Familie, Privatleben und Hygiene, für bestimmte Formen der Kommunikation (z.B. Poststellung) und für ein Mindestmaß an sozialer Anerkennung. Ein Leben auf der Straße bedeutet ein Leben außerhalb vieler, nahezu aller Normen. Die Belastungen, die mit dem ungesicherten und entwürdigenden Leben eines „Landfahrers“ oder „Stadtstreichers“ verbunden sind, haben bei langer Dauer körperliche und psychische Schäden sowie vorzeitige Alterung zur Folge und verringern die Lebenserwartung um etwa zehn Jahre.

Warum wird man eigentlich obdachlos? Dafür gibt es eine Menge verschiedener Gründe. In den meisten Fällen ist es das Ende des langen Weges der Aussteigerkarriere aus der Gesellschaft, in einigen  — einfach Zufall.

Obdachlosigkeit und Alkoholabhängigkeit sind eng miteinander verbunden. Manchmal wird der Mensch zuerst alkoholabhängig und als Folge obdachlos. Manchmal ist es umgekehrt: Zuerst verliert man das Heim und dann sucht man Trost im Alkohol. Manchmal ist es nicht Alkohol-, sondern Drogenabhängigkeit. Dann ist es noch schlimmer. Es ist noch schwieriger, Drogenabhängigkeit zu behandeln.

Es gibt aber auch Menschen, die aus anderen Gründen, man kann auch sagen, „freiwillig“ obdachlos werden. Sie wollen einfach frei sein. Sie wollen nicht mehr jeden Tag acht Stunden arbeiten, Rechnungen bezahlen, viele kleine und große Probleme lösen, zweimal pro Tag Zähne putzen, jeden Tag duschen, Geschirr abwaschen, aufräumen usw. Diese Obdachlosen brauchen kaum Hilfe, denn sie haben ihre Wahl getroffen.


Unter quasi Obdachlosen werden Menschen verstanden, die...

 

1.  ...in schlechten Wohnverhältnissen dahin vegetieren.

2.  ...keine eigene Wohnung haben.

3.  ...im Freien übernachten müssen.

4.  ...im Westen der Bundesrepublik leben.

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Englischlernen für die Kleinsten

Ohne Englisch keine Karriere  — inder globalisierten Welt werden Fremdsprachen immer wichtiger. Deutsche Eltern führen ihreKinder deshalb so früh wie möglich an die Sprache heran. Allerdings mit zweifelhaftem Erfolg. Im „Baby’s Best Start"-Kurs wird jedes Wort, jedes Lob auf Englisch gesagt. Die Kleinen können selbst noch gar nicht sprechen. Aber sie hören neben der

deutschen Sprache schon seit einigen Monaten Englisch, regelmäßig einmal in der Woche.

Zum Beispiel Mirali. Seit acht Monaten besucht die Einjährige den Englischkurs. Ihre Mutter Miriam Bardowicks möchte, dass die Kleine nicht nur mit der deutschen Sprache aufwächst. „Wasdie Zweisprachigkeit angeht, ist es auf jeden Fall gut, dass ein Kind viel Englischhört, wenn es später Englisch lernen soll.“ Die Wissenschaft gibt der Mutter recht: Die Grundlagen für Grammatik,

Betonung und Aussprache werden schon in einem so frühen Alter gelegt. Miriam Bardowicks glaubt daher, dass ihre Tochter viel aus dem Baby-⁠Englischkurs mitnimmt.

Die Sprachwissenschaftlerin Petra Schulz bezweifelt das. Sie hält die Wirkung solch früher Englischkurse für überschätzt. Zumindest, wenn Englisch nur einmal in der Woche für maximal eineStunde gesprochen wird, im Alltag der Kinder aber keine Rolle spielt. Daher sind die Hoffnungen, die viele Eltern mit der fremdsprachlichen Frühförderung verbinden, sehr überzogen. Die Frankfurter Professorin, die am Institut für Psycholinguistik „Deutschals Zweitsprache“ lehrt, kennt keine Studie, die den positiven Effekt eines Baby-⁠Englischkurses belegen würde.

Dennoch kommen Woche für Woche Eltern mit ihren Babys und Kleinkindern zu Mary Anne Philippakis. Zusätzlich zur Englischstunde einmal die Woche bekommen die Mütter eine CD mit, die sie ihren Babys zu Hause vorspielen sollen. Während des Kursessingt Mary Anne Philippakis den Kleinkindern etwas vor oder erzählt ihnen Geschichten. Sie hält das Bilderbuch aufgeschlagen auf ihrem Schoß und zeigt auf einzelne Symbole. Dazu spricht sie die englischen Worte aus: „Sun. Cat. Tree.“

Seit einem Jahr macht sie das nun schonin ihrem eigenen Lernzentrum in Frankfurt. Zuvor hat sie inKrippen und bei sich zu Hause eine Hand voll Kinder unterrichtet. Die Nachfrage ist ständig gewachsen. „Ich habe mit 15 Kindern angefangen“, erzählt Philippakis. „Mittlerweile sind rund 150 Kinder in meinen Kursen.“

Über das große Interesseder Eltern am frühen Zweitspracherwerb ihrer Kinder ist die gebürtige Amerikanerin nicht erstaunt. Viele Eltern wollten ihren Kindern eben Startchancen geben, meint sie. „Je früher man mit einer Fremdsprache anfängt, desto einfacher ist es für das Kind.“ In deutschen Schulen wird die erste Fremdsprache recht spät gelehrt, kritisiert die Amerikanerin, die selbst drei Kinder hat. „Und dann muss es ganz schnell gehen,dass die Kinder die Sprache bis zum Ende der Schulzeit beherrschen.“ Genau dieser Vorsprung wird vielen Eltern in Deutschland immer wichtiger. Ihre Kinder sollen in der globalisierten Welt erfolgreich seinund dazu müssen sie Fremdsprachen beherrschen. Die Angst, dass die eigenen Kinder später zu den Bildungsverlierern gehören und keine Aussichten auf einen gut bezahlten Job haben, ist groß. Also wird von klein auf trainiert und gefördert.


Was halten deutsche Eltern vom Erlernen der Fremdsprachen durch ihre Kinder?

 

1.  Sie sind für den frühen Fremdsprachenerwerb.

2.  Sie versuchen mit Kindern Englisch zu sprechen.

3.  Sie zweifeln am Erfolg Ihrer Kinder.

4.  Sie halten die Fremdsprache für überflüssig.

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Nützliche Tipps von Ursel Sickendiek

Fast alle Hochschullehrer und Dozenten haben eine oder zwei Stunden Sprechzeit pro Woche, in denen sie sich Zeit für die Anliegen der Studierenden nehmen. Die Termine finden während des Semesters an einem festen Tag in der Woche statt und werden an den Schwarzen Brettern in den jeweiligen Fachbereichen bekannt gegeben.

Als Studierende habt ihr ein Anrecht auf Sprechstunden zu den Lehrveranstaltungen und darauf, Auskunft und angemessene Hilfen zu euren Fragen dazu zu bekommen. Das trifft auch zu, wenn der Professor oder die Professorin eine berühmte Koryphäe ist. Damit die Sprechstunden möglichst reibungslos und effizient verlaufen, solltet ihr folgende Spielregeln beachten... Stellt euch kurz mit Namen, Studienfach und Semesterzahl vor, und erklärt kurz, aus welcher Lehrveranstaltung ihr kommt. Seid nicht enttäuscht, wenn euer Prof euch nicht auf Anhieb aus dem Seminar wiedererkennt. Ihr seid nun mal nicht seine einzigen Studenten.

Orientiert euch daran, wie die Anrede in der Lehrveranstaltung geschieht. Wenn der Dozent oder die Dozentin euch mit „Sie“ anspricht, bitte in der Sprechstunde ebenfalls siezen!

Zu Studienbeginn ist man manchmal unsicher, was man fragen darf. Das kann dazu führen, dass man wichtige Fragen erst gar nicht stellt  — was schade ist. Ein guter Weg, solche Hemmschwellen abzubauen: Sprecht eure Unsicherheit einfach an, zum Beispiel indem ihr sagt: „Ich bin im ersten Semester und weiß nicht, ob...“

Überlegt euch vorher genau, welche Fragen ihr klären wollt und schreibt sie euch auf. Das erspart euch, Termine wiederholen zu müssen, weil ihr etwas Wichtiges vergessen habt. Fragen, die immer wieder anfallen, sind zum Beispiel: „Kann ich die Hausarbeit zum Thema X schreiben?“, „Welche Literatur sollte ich unbedingt lesen?“, „Gibt es Beispielaufgaben, mit denen ich üben könnte?“

Sprechstunden sind dazu da, dass ihr Antworten auf eure Fragen erhaltet, die euch weiterbringen. Sollte eine Antwort unklar ausfallen, heißt das für euch: Besser noch mal weitere Frage stellen! Wenn ihr zum Beispiel auf die Frage nach empfehlenswerter Literatur nur zu hören bekommt: „Dazu gibt es Literaturliste!“, solltet ihr nachfragen, welche Texte besonders gut für euer Thema geeignet sind. Für alle Anliegen gilt: Lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig! Unterlassenes Fragen kann zu viel Frustration führen.

Bei Lehrenden mit vielen Pflichtveranstaltungen sind die Sprechstunden oft aktiv besucht, und es kann passieren, dass sich eine Warteschlange vor der Tür bildet. Anstatt dann frustriert wegzugehen, solltet ihr im zuständigen Sekretariat nachfragen, ob alle Wartenden ein Gespräch bekommen. Zur Not könnt ihr bei der Sekretärin eine Anfrage hinterlassen oder euch per E-⁠Mail bei den Lehrenden melden. Ihr solltet auf jeden Fall euer Recht auf gute Beratung in Anspruch nehmen. Denn das hilft euch, gut durchs Studium zu kommen.

Leider geben nicht alle Lehrenden Rückmeldungen auf Studienleistungen. Deshalb: Wenn eine Dozentin oder ein Dozent eine Rückmeldung anbietet, solltet ihr diese Chance auf jeden Fall nutzen. In einem persönlichen Gespräch zu einer Hausarbeit oder einer Nachbesprechung eines Referates kann man oft Wichtiges lernen, gerade auch wenn der eine oder andere negative Kritikpunkt dabei ist. Schließlich lernt man aus Fehlern.


Die Sprechzeiten werden...

 

1.  ...an schwarzen Tafeln im Seminarraum bekannt gegeben.

2.  ...von Studenten an die Pinnwand angebracht.

3.  ...an den Informationstafeln in den Fachbereichen ausgehängt.

4.  ...mit dem Stundenplan bekannt gegeben.

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Kadettenschülerinnen von Moskau: Im Gleichschritt, marsch!

Sie sind zwischen elf und 16 Jahre alt, kommen aus ganz Russland, können nähen, kochen, tanzen  — und schießen: Die Mädchen einer Kadettenanstalt im russischen Moskau lernen Manieren, Parieren und Marschieren.

Die Mädchen stehen in einer Reihe. Konzentrieren sich. Kneifen ein Auge zusammen. Die Pistolen halten sie fest in den Händen. Noch einmal atmen sie durch, dann drücken sie ab. Die Kugeln zischen aus den Pistolenläufen und bohren sich nur ein Sekundenbruchteil später in die winzigen Zielscheiben ein paar Meter entfernt. Der Lehrer ist zufrieden. Gute Schützinnen sind an der Kadettenanstalt in Russlands Hauptstadt Moskau schließlich gefragt! Rund 300 Mädchen zwischen elf und 16 Jahren gehen dort zur Schule. Einerseits, um später im Militär dienen zu können. Andererseits, um „gute Hausfrauen“ zu werden. Der Alltag der Mädchen ist streng geregelt. Um sieben Uhr in der Früh heißt es für die Kadettinnen: aufstehen! Betten machen! Haare flechten! Uniform anlegen! Und schließlich: Frühstück! Frühsport! Schulunterricht! Natürlich stehen dann Mathe, Fremdsprachen und Literatur auf dem Stundenplan. Aber eben auch Schießen, Waffenkunde und Kriegsführung.

Ehemalige Soldaten erklären den Schülerinnen etwa, wie während des Zweiten Weltkrieges die Truppen erfolgreich geführt wurden. Die Mädchen schieben dabei kleine Figuren über Landkarten und versuchen auf diese Weise, die Strategien von Angriff und Verteidigung zu verstehen. In Waffenkunde lernen sie wiederum, Schusswaffen zu unterscheiden. Die meisten Schülerinnen brauchen nur Sekunden, um etwa ein Maschinengewehr in seine Einzelteile zu zerlegen und wieder zusammenzubauen. „Am Telefon erzähle ich meinen Eltern jeden Tag, welche Waffen ich neu kennengelernt habe“, erzählt die zwölfjährige Lena.

Für uns mag all das befremdlich, sogar abstoßend klingen. Lena und die anderen Mädchen kennen das Leben nicht anders. Denn die meisten von ihnen stammen aus Militärfamilien. Ihre Väter sind zum Beispiel Offiziere und stolz darauf, dass ihre Töchter in die Kadettenanstalt gehen, dort Manieren, Parieren und Marschieren lernen. Einmal im Jahr tun die Mädchen das sogar auf dem Roten Platz im Zentrum von Moskau, bei einer großen, feierlichen Parade. Dafür üben sie das Strammstehen. Und den Gleichschritt: eins, zwei, eins, zwei... Dann wieder das Strammstehen. Und noch mal den Gleichschritt: eins, zwei, eins, zwei... „Ich liebe es zu marschieren und bin so stolz, wenn wir alle Schulter an Schulter wie ein großes Ganzes laufen“, sagt Lenas Kameradin Alyona. Und auch noch: „Ich bin bereit, für Russland zu sterben.“ Das ist ein harter Satz, vor allem für eine 13-⁠Jährige.

Doch diesen Nationalstolz bekommen die Mädchen vom ersten Schultag an eingeimpft. Übersetzt lautet der Text ihrer Schulhymne etwa: „Jetzt ist Frieden, aber wir sind immer bereit, die Großtaten unserer Väter und Mütter zu wiederholen. Und wenn sie uns rufen, dann werden wir ehrlich unserer Heimat dienen.“ Wie viel friedlicher wirkt da doch der „Hausfrauenunterricht“ der Schule, immer am Nachmittag. Nähen, Kochen und Tanzen stehen auf dem Programm, außerdem Klavierspielen und Frisuren-⁠Stecken. Letzteres üben die Mädchen vor allem für den großen Winterball kurz nach Weihnachten. Darauf freuen sie sich sehr. An diesem Tag tauschen sie ihre Uniformen gegen lange, weiße, schicke Kleider und feiern mit den Jungen der benachbarten Kadettenanstalt.

Strammstehen? Gleichschritt? Marsch? Nicht an diesem Abend!


Die Mädchen einer Kadettenschule...

 

1.  ...lernen unter anderem schießen.

2.  ...haben eigene Pistolen.

3.  ...schießen mit geschlossenen Augen.

4.  ...treffen die Zielscheiben nicht.

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Lebendige Sprache

Wer kennt sie nicht, die gelb-⁠blauen Wörterbücher aus dem Verlagshaus Langenscheidt. Der Erfinder dieser Nachschlagewerke ist Gustav Langenscheidt, der am 21. Oktober 179 Jahre alt geworden wäre. Mit seiner Lautschrift und seinen Wörterbüchern revolutionierte er den Fremdsprachenunterricht und schuf die Grundlagen für eines der erfolgreichsten Familienunternehmen in Deutschland. Völkerverständigung bedeutet, miteinander reden zu können. Noch im 19. Jahrhundert fehlten dafür die notwendigen Voraussetzungen.

Fremdsprachenkenntnisse waren ein Privileg des Bürgertums. Doch der Sprachunterricht damals war nicht effektiv. Diese Erfahrung machte auch Gustav Langenscheidt während einer Bildungsreise durch Europa. Er erkannte, dass es im Sprachunterricht zu wenig Sprachpraxis gab. Fortan stellte er sich das Ziel, das Sprachenlernen so zu vereinfachen, dass die Kommunikation im Vordergrund steht und jedermann eine andere Sprache leicht erlernen kann. Der Berliner Gustav Langenscheidt entstammte einer angesehenen

Handwerkerfamilie. Nach dem Abschluss einer kaufmännischen Lehre machte er sich, gerade mal 17-⁠jährig, 1849 von Berlin zu Fuß auf, Europa zu erkunden. Er wanderte, fuhr mit der Postkutsche und dem Schiff. Und egal, wo er war, störte es ihn, dass seine Sprachkenntnisse nicht ausreichten. Sein Schlüsselerlebnis hatte er in London. Erschöpft und müde vom Reisen wollte Langenscheidt ein Hotel zur Übernachtung finden. Stattdessen stieg er aus Versehen in einem zweifelhaften Etablissement ab. „Es ist ein wahrhaft peinliches Gefühl, unter Menschen nicht Mensch zu sein und seine Gedanken nicht austauschen zu können“, schrieb er später in sein Tagebuch. Das peinliche Erlebnis ermunterte ihn dazu, ein neues Lernsystem zu entwickeln, um eine Fremdsprache leichter lernen zu können. Er selbst hatte bemerkt, dass sein Französisch sich verbesserte, wenn er häufig mit Einheimischen sprach. Und das war die Idee: Sprache durch Muttersprachler zu lernen, denn damals übten die Schüler vor allem Grammatik im Unterricht. Um die

Aussprache und Betonung eines Muttersprachlers imitieren zu können, erfand Langenscheidt die erste praktikable Lautschrift. Gemeinsam mit dem französischen Sprachlehrer Charles Toussaint begann Gustav Langenscheidt Wort für Wort die französische Sprache in eine Lautschrift zu übertragen. Der junge Mann arbeitete rastlos die ganze Nacht hindurch. Tagsüber musste er seinen Militärdienst absolvieren. 1856 legte Gustav Langenscheidt sein Manuskript „Brieflicher Sprach- und Sprechunterricht für das Selbststudium der französischen Sprache“ vor. Diese Selbstlernbriefe enthielten eine bahnbrechend neue Lautschrift-⁠Methode, die jedem die Möglichkeit zum Spracherwerb gab. Mit dieser Erfindung wurde Gustav Langenscheidt zum Vater des modernen Sprachkurses. Doch niemand wollte seine Idee unterstützen. Also setzte er das gesamte Vermögen aus dem Familienbetrieb seiner Eltern ein und druckte die ersten Exemplare selbst. Wenig später gründete er seinen eigenen Verlag. Die Französisch-⁠Sprachkurse verkauften sich so gut, dass Langenscheidt bald einen Englisch-⁠Kurs nach dem gleichen Modell entwickelte. Die Menschen konnten Sprachen nun zu Hause lernen. Ganz nach seinem Lebensmotto „Ohne Fleiß kein Preis“ entwickelte und druckte der Unternehmer Enzyklopädien und Wörterbücher. Den Verlag führte sein Sohn Carl weiter. Noch heute befindet sich das Unternehmen in Familienbesitz. Und noch immer kümmern sich die Nachfahren von Gustav Langenscheidt darum, anderen Menschen durch Sprachen neue Welten zu eröffnen.


Der Erfinder und Unternehmer Gustav Langenscheidt...

 

1.  ...hat eine neue Schrift erfunden.

2.  ...gründete das erfolgreichste Familienunternehmen.

3.  ...revolutionierte das Erlernen von Fremdsprachen.

4.  ...stellte die Grammatik in den Vordergrund.

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Ökomobil Freiburg

Mit diesem fahrbaren Klassenzimmer lässt sich jeder Lebensraum oder verschiedene Pflanzen- und Tiergruppen in der Nähe Ihrer Schule oder Ihrer Gemeinde untersuchen. Schulen, Vereine, Freundeskreise, Alt und Jung können hier mit fachkundiger Begleitung und mit modernsten Geräten Natur erleben und kennenlernen  — für viele der erste Anstoß, selbst aktiv die Natur zu schützen. Die Natur gibt uns den Rahmen für den Aktionstag vor: Wir beobachten gemeinsam das Leben in Wiesen und Wäldern, Gewässern und Feuchtgebieten, Hecken und Heiden...

Wenn Sie es wünschen steht eine bestimmte Tier- oder Pflanzengruppe im Mittelpunkt: Vögel, Spinnen, Insekten, Wassertiere oder die Bewohner der Laubstreu, Bäume, Sträucher oder Frühjahrsblüher im Laubwald... Wir führen aber auch Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen des Natur-, Arten- und Biotopschutzes durch, z. B. „Felsen als Lebensraum“, „Gewässergüte und Gewässerunterhaltung“, „Natura 2000“, „Streuobst“ u.v.m. Allerdings muss ein Ökomobilbesuch gut vorbereitet werden. Wir sind auf Ihre Hilfe angewiesen, da Ihre Ideen und Ihre Vorbereitungen ganz wesentlich für das Gelingen einer

Veranstaltung sind.

Laden Sie das Ökomobil zu einem Naturerlebnistag ein! Kosten entstehen Ihnen dabei keine. Gerne nehmen wir jedoch Spenden (zweckgebunden an die Stiftung Naturschutzfonds) entgegen, um damit unsere eingesetzten Materialien zu erneuern und zu modernisieren. Große Aktualität hat unser seit Jahren bewährtes Programm durch die neuen Bildungspläne gewonnen. Das von Ihnen beantragte Thema für den Ökomobilbesuch kann im Unterricht vor- und nachbereitet werden. Seit Jahren geben wir im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen für Erzieher(innen) und Lehrkräfte unsere Erfahrungen und Methoden weiter. Dies wird gerne und zunehmend nachgefragt.

Im Inneren des Ökomobils finden Sie auf ca. 20m² sechs Tische und Sitzplätze für max. 24 Kinder. Unsere Arbeitsgeräte stehen allen zur Verfügung: Stereolupen, Ferngläser, Sammelausrüstung, Bestimmungsliteratur und chemische Schnelltests bzw. Messgeräte für die wichtigsten Verbindungen. Mit Stereo- und Becherlupen sowie der Projektionsanlage (Mikroskop, Kamera und Flachbildschirm) können wir die kleinsten Tiere beobachten, während uns die Sonne den Strom dazu liefert. Durch den Einsatz des Ökomobils in der Natur vor Ort, d.h. in der eigenen Heimat, tragen wir dazu bei, dass ein Verantwortungsgefühl für die Pflanzen und Tiere unserer Landschaft entstehen kann. Dies wird unterstützt durch gemeinsame Pflegeeinsätze in geschützten Biotopen.

Unsere Terminvergabe erfolgt nur nach schriftlicher Anfrage nach folgenden Kriterien: Termine, die im ersten Halbjahr bis zu den Sommerferien stattfinden sollen, werden im Januar, spätestens Anfang Februar vergeben. Termine, die im zweiten Halbjahr nach den Sommerferien stattfinden sollen, werden nach den Pfingstferien vergeben, dann werden ebenfalls die Absagen verschickt. Termine, die in den Sommerferien stattfinden, werden nach den Osterferien bestätigt oder abgesagt. Diese Zeitpunkte sind Richtwerte, die sich auch um 1-⁠2 Wochen verschieben können.

1987 hat die staatliche Naturschutzverwaltung Baden-⁠Württemberg  — erstmals in Deutschland  — diese Form außerschulischer Umweltbildung auf den Weg gebracht und lieferte damit ein Vorbild für zahlreiche weitere mobile Umweltprojekte (Stuttgart, Tübingen, Karlsruhe) nicht nur innerhalb, sondern außerhalb Deutschlands.


Das Ökomobil ist...

 

1.  ...ein Naturschutzlabor mit moderner Ausstattung.

2.  ...ein modernes Naturschutzzentrum für Studierende.

3.  ...ein innovatives Angebot für Lehrkräfte und Eltern.

4.  ...ein Fahrzeug, das Information über Umweltprojekte liefert.

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Für Job und Kultur: Moskauer Gespräch zur Zweisprachigkeit

Die Tochter von Andreas Setzepfandt hat ihrem Papa etwas voraus: Sie wächst zweisprachig auf. Denn der Vater spricht mit ihr Deutsch, die Mutter dagegen Russisch. Damit ist die Kleine kein Ausnahmefall in der deutschsprachigen Gemeinde in Moskau. Einer von mehreren Gründen, das Thema Zweisprachigkeit beim jüngsten Moskauer Gespräch aufzugreifen. Dabei ging es nicht nur um die „angeborene“ zweite Sprache, sondern auch generell um die Mehrsprachigkeit in der heutigen Welt.

Nun war Andreas Setzepfandt nicht nur wegen seiner Tochter auf das Podium geladen worden. Der 44-⁠Jährige ist Vize-⁠Generaldirektor von Burda in Russland und konnte zum Thema Sprache und Berufswelt genug erzählen: Mit seinen Mitarbeitern im Büro spreche er Russisch, sagte er. In großen Konzernen sei das Englische die vorherrschende Sprache. „Schlechtes Englisch sprechen alle gut.“ Trotzdem schade es in einem deutschstämmigen Unternehmen nicht, Deutsch zu können.

Aber auch die Sparte sei entscheidend, ob eine zweite Sprache hilft, die Karriereleiter hoch zu klettern, sagte Setzepfandt: In der IT laufe fast alles auf Englisch. Allerdings würde es einem russischen Lagerarbeiter nichts nützen, perfekt Deutsch zu sprechen. „Fach- und Sprachkenntnisse müssen zusammenpassen“, so der Verlagsmanager. Wenn der Lagerarbeiter also noch was von Logistikmanagment versteht, kann er die zweite Sprache im Beruf verwenden.

Nun müssen die meisten Menschen Fremdsprachen als Jugendlicher oder Erwachsener lernen. In Russland steht Englisch schon seit langer Zeit an erster Stelle, so Pawel Chromenkow, der Rektor der Universität des Moskauer Gebietes. Erst dann kommt Deutsch. Die Zahl derjenigen, die Deutsch lernen, sei sogar gesunken. Seine eigene Universität versuche gegenzusteuern: Unter anderem mit dem Projekt „Lebendige Sprache“, bei dem sie den Interessierten die Möglichkeit gibt, Deutschland kennenzulernen. „Der Anteil derjenigen, die Deutsch lernen, stieg danach, was uns auch gefreut hat. Landesweit sind es 15 bis 20 Prozent der Jugendlichen, im Moskauer Gebiet liegt die Zahl der Deutschlernenden etwas höher  — um die 27 Prozent“, sagte der Rektor.

Englisch sei ein „Werkzeug für den Beruf“ geworden, so Chromenkow. Das muss allerdings nicht heißen, dass man sich verstärkt in die englischsprachige Kultur hineinvertieft. Sprache und Kultur gehören dagegen für Karoline Gil, Bereichsleiterin Integration und Medien beim Institut für Auslandsbeziehungen, beide dazu. „Die Zweisprachigkeit gewährt den Zugang zu einer zweiten Kultur.“ Es habe positive Auswirkungen, wenn man zwei oder mehr Sprachen beherrsche. Studien hätten gezeigt, dass man dann im hohen Alter geistig fitter sei. Die große Euphorie der 1990er Jahre, in der Kinder unbedingt eine zweite Sprache lernen sollten, sei aber verflogen. Trotzdem sei das Lernen einer Sprache schon im Kindergarten immer noch im Trend.

Das gilt auch für Russland: Die Tochter von Andreas Setzepfandt plaudert ihrem Vater bereits auf Französisch vor, wie er erzählte. Allerdings, was sie sage, wisse sie nicht. „Aber der Unterricht im Kindergarten ermutigt Kinder, eine zusätzliche Sprache zu probieren“, so der stolze Papa, der das Fazit zog: "Der Zweisprachigkeit gehört die Zukunft.“


Die Tochter von Andreas Setzepfandt wächst zweisprachig auf...

 

1.  ...weil sie eine Fremdsprache im Kindergarten lernt.

2.  ...weil sie zur deutschsprachigen Gemeinde in Moskau gehört.

3.  ...denn ihre Eltern reden mit ihr in ihren Muttersprachen.

4.  ...denn sie hat ihren Eltern vieles voraus.

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Willkommenskultur mit der „Maus"

Einschlägige Fans kennen und lieben dieses Ritual: Zu Beginn jeder „Sendung mit der Maus“ erzählt ein Sprecher, was die nächsten dreißig Minuten bringen werden; und dann gibt es die Inhaltsangabe ein zweites Mal, allerdings auf „ausländisch“. Die Redaktion wollte so ab 1973 die sogenannten Gastarbeiterkinder ansprechen. Außerdem sollten deutsche Kinder hören, wie andere Sprachen klingen. Seither ist der Vorspann in mehr als hundert Sprachen und Dialekten gesendet worden. Welche Sendung wäre also besser geeignet, ihren Anteil zur Integration von Flüchtlingskindern beizutragen? Deshalb hat der WDR die „Maus“-Website um die Rubrik „Maus international“ erweitert. Hier gibt es einzelne Beiträge oder ganze Sendungen auf Arabisch, Kurdisch, Dari (Afghanistan) und Englisch. Geplante weitere Sprachen sind Romani und Französisch. Die Seite bietet komplette Sendungen sowie eine kunterbunte Mischung aus den Lach- und Sachgeschichten.

Der konkrete Nutzen hält sich auf den ersten Blick in Grenzen: Die Antworten auf Fragen wie jene, warum der Igel Stacheln hat, werden den kleinen Arabern, Kurden und Afghanen zunächst nicht helfen, die Herausforderungen ihres neuen Lebens zu bewältigen. Alles andere würde aber auch der „Maus“-Philosophie widersprechen: Die Sendung will ihre Zielgruppe in erster Linie unterhalten, Lerneffekte sollen nebenbei entstehen.

Vor diesem Hintergrund sei auch das ständig erweiterte Internet-⁠Angebot für Flüchtlingskinder und ihre Familien entstanden, teilt die Redaktion mit: Die Website soll „Kindern, die neu in Deutschland ankommen, eine Möglichkeit geben, sich schneller in der deutschen Kultur zurechtzufinden und mit den Clips der Maus und den Lach- und Sachgeschichten auch einfach mal lachen dürfen. Wenn das ein kleiner Beitrag sein sollte, ihnen den Einstieg in die neue Sprache zu erleichtern: um so besser.“

Das Leben anderer Kulturen ist ohnehin regelmäßig Thema in der „Sendung mit der Maus“. Es gab bereits Spezialausgaben zu Ländern wie Türkei, Griechenland, Indien, Südafrika und Brasilien. Außerdem begleitet der „Maus“-Veteran Christoph Biemann schon seit einiger Zeit das syrische Flüchtlingsmädchen Tiba und seine Familie. Die daraus entstehenden Filme sind immer wieder in der „Maus“ zu sehen.

In Kooperation mit der deutschen Welle kommen schon seit längerer Zeit übersetzte Beiträge aus der Sendung in syrischen Flüchtlingsheimen zum Einsatz. Wie wichtig diese Arbeit ist, hat die Redaktion umgehend erfahren: Schon nach einem Monat gab es über 100 000 Zugriffe auf „Maus international“. Viele ehrenamtliche Helfer in Einrichtungen, heißt es, hätten sich für das Angebot bedankt. Um noch mehr Menschen zu erreichen, hat der WDR die Website mit den Seiten verlinkt, auf denen der Sender Programmangebote für Flüchtlinge bündelt. Zurzeit bereitet das „Maus“-Team ein kindgerechtes Dossier zum Thema Flüchtlinge für die Website vor.

Sehr rührig ist auch „Planet Schule“. Das multimediale Bildungsangebot für Pädagogen und andere Bildungsinteressierte stellt Filme und Arbeitsmaterialien für den Unterricht zur Verfügung; die Arbeit mit Kindern mit Migrationshintergrund hat hier schon seit geraumer Zeit einen besonderen Stellwert. Aus der Kooperation mit Auffangklassen weiß die Redaktion, wie hilfreich dabei der Einsatz von Filmen ist. Die Website bietet didaktische Hinweise, Arbeitsblätter und interaktive Spiele. Gerade die Sprachangebote werden auch von Initiativen der Flüchtlingsarbeit nachgefragt. „Planet Schule“ hat alle entsprechenden Angebote auf einer Schwerpunktseite zusammengefasst, darunter auch „Deutsch mit Socke“.


Warum hat man 1973 den Anfang der "Sendung mit der Maus" auf verschiedenen Sprachen gezeigt?

 

1.  Die Sendung wurde in vielen Ländern außer Deutschland gezeigt.

2.  Man wollte die Migrantenkinder ansprechen.

3.  Man wollte den Kindern andere Sprachen beibringen.

4.  Das war ein Ritual seit der Entstehung der Sendung.

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Aus dem Klassenzimmer in den Haarsalon

Nicht alle Studenten finden auf der Universität das, was sie suchen. Viele entdecken ihre berufliche Zukunft im Handwerk, zum Beispiel im Friseursalon. Tamara Gundlach ist Auszubildende im ersten Lehrjahr und legt an diesem Morgen eine neue Kundenkartei an. Seit Juni hat sie die Lehrstelle, seit einem Jahr das Abitur und seit März keinen Studienplatz mehr.

Vor etwas mehr als einem Jahr musste sich Tamara Gundlach entscheiden: Wie soll es nach dem Abitur weitergehen? Oder vielmehr: Was soll sie studieren?

„Ich hatte damals den Gedanken: Ich habe Abitur, also muss ich auch an die Uni“, berichtet sie, während sie der Kundin eine weißliche Masse auf die Haare aufträgt. Gundlach wollte seit ihrer Kindheit Grundschullehrerin werden, doch ihr Notenschnitt war nicht gut genug, um sich um einen Studienplatz gerade im Grundschullehramt zu bewerben. Im Losverfahren bekam sie dann einen Studienplatz für das Lehramt an Gymnasien in Frankfurt, mit der Fächerkombination Politik, Wirtschaft, Philosophie.

Doch der anfängliche Plan, nach fünf Semestern dann doch ins Studium für Grundschullehramt zu wechseln, wurde schnell von dem Gefühl der Motivationslosigkeit abgelöst, wie sie heute sagt. Ihren Studienalltag inmitten Hunderter Studenten selbst zu organisieren hat sie überanstrengt: „Zu unpersönlich, zu unkreativ, zu theoretisch“, so fasst die 20 Jahre alte Studienabbrecherin ihre Schwierigkeiten mit der Uni zusammen.

Für junge Frauen und Männer mit genau solchen Erfahrungen hat die Handwerkskammer Frankfurt/Rhein-⁠Main das Projekt Yourpush aufgelegt. Die Kammer will dabei helfen, Studenten, die sich umorientieren wollen, mit Betrieben in Kontakt zu bringen. Tamara Gundlach braucht diese Hilfe nicht mehr. Die Masse auf dem Kopf der Kundin muss einwirken. „Thommy, können Sie einmal schauen?“, fragt Gundlach ihren Ausbilder. Das mag sie besonders an ihrer Arbeit: Sie sieht sofort ein Ergebnis, bekommt eine Rückmeldung vom Chef und macht bei guter Arbeit einen Kunden froh. Ihr Ausbilder ist recht zufrieden mit ihrer ersten Blondierung. Er rät ihr nur, die Haare noch etwas auseinanderzuziehen, damit sich die Wärme nicht staut.

Es ist der 25.März 2015, als Tamara Gundlach beschließt, ihr Studium zu beenden. Ein Mittwoch. Sie hat gerade eine Freundin von deren letzter Abiturprüfung abgeholt, will mit ihr feiern. Da klingelt ihr Handy, eine E-⁠Mail: Die Prüfungsergebnisse für Bildungswissenschaften sind gerade auf der Webseite der Universität veröffentlicht worden. Die Prüfung, die den Grundstein zum Lehrerberuf bildet. Das Fach, das sie spätestens beim zweiten Versuch bestehen muss, um in Hessen unterrichten zu dürfen. Durchgefallen!

Der erste Impuls sind Tränen, der zweite ist der Wunsch, nach Hause zu den Eltern zu fahren. Mit ihnen spricht sie die Optionen durch und entscheidet sich schließlich dafür, das Studium abzubrechen. „Mein Vater hat jeden Tag gemerkt, wie sehr mich das Studium belastet hat“, sagt Gundlach. Auf die Frage, wie es in der Uni gewesen war, bekam er von seiner Tochter grundsätzlich nur eine Antwort: „Scheiße. Wie immer.“

Heute braucht niemand sie nach ihrem Tag zu fragen. Sie erzählt von allein. Während die Kundin wartet, eilt Gundlach zum Lagerraum, holt frische Handtücher, fegt Haare zusammen, serviert mit einem zufriedenen Lächeln Cappuccino. Das Leben kann so unkompliziert sein, sobald das blöde „muss“ wegfällt!


Bei der Wahl der beruflichen Zukunft landen manche Abiturienten bei einer Lehre, weil...

 

1.  ...das Studium nicht immer deren Suchkriterien entspricht.

2.  ...sie bei den Abiturprüfungen durchfallen.

3.  ...sie sich ihre Karrierechancen im Handwerk besser vorstellen können.

4.  ...es in Deutschland an Studienplätzen mangelt.

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Eltern sollen mit der Schule einen Vertrag abschließen

Nicht nur ihre Schüler machen Lehrern zu schaffen, auch deren Eltern kosten die Pädagogen Nerven  — weil sie ihren Pflichten nicht nachkommen. Gerade morgen Montag wird sich dies wieder zeigen, wenn in zahlreichen Kantonen die Schule nach den Sommerferien wieder losgeht: Viele Schüler dürften am ersten Schultag noch fehlen  — weil sie mit ihren Eltern nicht rechtzeitig aus den Ferien zurückkehren. In Basel-⁠Stadt, wo die Schule schon letzte Woche wieder startete, war dies im Schnitt bei einem Schüler pro Klasse der Fall.

Dass Eltern ihre Kinder in den ersten Tagen nach den Ferien bewusst schwänzen lassen, weil ein späterer Rückflug günstiger ist, ist nur eines von vielen Ärgernissen, mit denen Lehrer sich herumschlagen: Immer wieder schwänzen Eltern auch Elternabende oder Gesprächstermine, schicken ihre Kinder übermüdet in den Unterricht oder geben ihnen Süßigkeiten und Süßgetränke mit, obwohl die Schule auf gesunde Nahrungsmitteln als Znüni-⁠Verpflegung pocht. Christian Amsler (FDP), Präsident der Konferenz der Erziehungsdirektoren in der Deutschschweiz, fordert nun ein neues Mittel, um die Eltern auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen: Verträge, die sie mit der Schule abschließen müssen. „Ich bin für mehr Verbindlichkeit“, sagte Amsler gegenüber dem Sonntagsblick. „Ich bin dafür, dass wir solche Elternverträge in allen Kantonen einführen, wobei die Hoheit bei den Kantonen liegt.“ Die Eltern hätten Pflichten, die sie zum Wohl ihres Kindes einhalten müssten. „Ein Vertrag ist ein wichtiges Signal an die Eltern.“ Verträge, wie sie Amsler fordert, kennt man bereits im Kanton Solothurn. In der Schulvereinbarung der Gemeinde Zuchwil SO unterschreiben die Eltern unter anderem, dass ihr Kind zuhause über einen ruhigen Arbeitsplatz, das nötige Material und genug Arbeitszeit verfügt, dass sie sich selbst über die Vorgänge des Schullebens wie über die Leistungen und Probleme ihres Kindes informieren, dass das Kind regelmäßig und pünktlich am Unterricht teilnimmt und dass sie an Elternveranstaltungen teilnehmen.

Die ersten Erfahrungen sind positiv, wie Stephan Hug, Schuldirektor in Zuchwil, sagt: „Seit wir die Verträge haben, nehmen 80 Prozent der Eltern an den Veranstaltungen teil. Vorher waren es nur 60 Prozent.“ Die Verträge seien auch eine Integrationsmaßnahme: „Viele Eltern, die aus anderen Ländern kommen oder gar Analphabeten sind, wissen gar nicht, dass sie in der Schule mitreden können.“ Viele seien schlicht und einfach überfordert und bräuchten Unterstützung. Für Andreas Walter, Chef des Solothurner Volksschulamtes, sind die Verträge vor allem auch eine Entlastung für die Lehrer: „Wenn ein Streit eskaliert, haben die Lehrpersonen etwas Verbindliches in der Hand. Seit der Einführung der Verträge haben wir weniger Probleme.“

Auch beim Schweizerischen Lehrerverband (LCH) kommen die Verträge gut an: „Es macht Sinn, wenn die geltenden Regeln in einer Schule und der Klasse in einer Vereinbarung zwischen Schülern, Eltern und Klassenlehrpersonen formell unterzeichnet werden“, sagt Jürg Brühlmann vom LCH. Der Umgang mit den Eltern sei schwieriger geworden, sagt Bernard Gertsch, Präsident des Schulleiterverbands: „Immer mehr Eltern nehmen sofort Partei für ihre Kinder und zweifeln an den Lehrpersonen.“ In den schlimmsten Fällen drohen sie mit dem Anwalt.


Warum bereiten neben Schülern auch deren Eltern Pädagogen Probleme?

 

1.  Sie erfüllen ihre Pflichten nicht.

2.  Sie fehlen am ersten Schultag.

3.  Ihre Kinder kommen nicht rechtzeitig zum Unterricht.

4.  Ihre Kinder fehlen wochenlang.

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Sein bester Wurf

Mario Götze wechselt von Bayern München zu Real Madrid. Er bekommt dafür eine Prämie von ungefähr zwei Millionen Euro, die er aufs Sparbuch packt. Das Einzige, was er sich kauft, ist ein alter Campingbus, mit dem er ins Trainingslager fahren kann, während seine Mitspieler das Flugzeug oder einen klimatisierten Bus bevorzugen. An den Tagen, wenn er nicht spielt, sieht man ihn ab und zu beim Surfen an der Atlantikküste, manchmal macht er sich abends eine Dose Ravioli auf dem Gaskocher warm.

„Ich liebe das einfache Leben“, sagt Götze. „Geld bedeutet mir nichts.“ Eine unvorstellbare Geschichte, das stimmt schon. Aber ungefähr so spielt sie sich in den USA ab, wo der Baseballspieler Daniel Norris nicht nur wegen seines Talents zum Star geworden ist  — sondern auch, weil er sich den Mechanismen des Leistungssports widersetzt. Zu denen eben auch gehört, dass millionenschwere Profisportler ihren Reichtum zur Schau stellen.

Norris ist einer der besten Werfer in der US-⁠amerikanischen Major League Baseball. Solche Werfer wie Norris können dem Ball alle möglichen oder besser unmöglichen Flugkurven verpassen. Sie können den Ball so werfen, dass er, kurz bevor er auf die Keule des Schlägers trifft, noch mal leicht die Richtung ändert. Solche Würfe können ein Spiel entscheiden. Wenn man so gut Baseball spielt wie Norris, verdient man in den USA fast zwangsläufig Millionen Dollar. Das ist das Problem. Na ja, für die meisten eher nicht, aber für Norris schon ein bisschen. „Ich sehe keine Notwendigkeit für Luxus oder das, was die Gesellschaft darunter versteht“, sagt er. Nur einen sehr kleinen Teil seiner jährlichen Gage, etwa 800 Dollar monatlich, braucht er für sein tägliches Leben, den Rest gibt er einem Anlageberater, der es für ihn spart. Wenn die Baseball League pausiert, lebt er lieber in seinem Bus und gibt kaum Geld aus.

Aufgewachsen ist der 23-⁠Jährige in einem kleinen Ort in Tennessee. Viel Whiskey gibt es da und viel Sonne. Seine Familie betreibt dort einen Fahrradladen, kein Wunder also, dass Daniel und seine Geschwister ständig draußen waren, ständig auf ihren Rädern durch die Gegend fuhren. Das hat ihn bestimmt geprägt. Auf seinem Instagram-⁠Account kann man Norris an einsamen Stränden in Oregon sehen oder beim Wandern in den Rocky Mountains. Während viele Sportprofis gern ihre neuesten Sonnenbrillen, Tattoos, Sportwagen oder auch Häuser posten, kann man bei Norris Bäume betrachten  — oder erstaunliche Schwarz-⁠Weiß-⁠Porträts alter Menschen. Fotografieren ist auch so ein Hobby von ihm. Dann zieht er sich wieder in seinen VW-⁠Bus von 1978 zurück und liest.

Angeblich hat er seine erste Freundin verlassen, weil er nicht mehr genug Zeit für seine Bücher hatte. Klar, dass sich so eine Geschichte wie die von Norris auch ein bisschen verselbstständigt. Sie ist einfach zu gut, und sie wird immer besser. Vergangenes Jahr wechselte er von den Toronto Blue Jays zu den Detroit Tigers und stellte gleich mal ein paar Vereinsrekorde auf.

Das Wahnsinnige ist ja, dass ihm seine Vorliebe für Einsamkeit auf dem Platz hilft. Diese extreme Stille, die manchmal entsteht, wenn Zehntausende den Atem anhalten, weil gleich der Ball geworfen wird  — für Norris ist das, als stünde er ganz allein auf einer Waldlichtung. Wenn das Stadion dann explodiert, ist das nicht mehr so sein Ding.

Im letzten Herbst gab Norris bekannt, dass er an einer schweren Krankheit leidet. Diese ließ er wenig später erfolgreich behandeln. In solchen Situationen wird den meisten Menschen klar, was wirklich wichtig ist. Norris wusste das schon längst.


Als Mario Götze von Bayern München zu Real Madrid wechselt...

 

1.  ...gibt er einen Teil der Prämie für ein Fahrzeug aus.

2.  ...beschließt er, seine Prämie auf mehrere Sparkonten zu verteilen.

3.  ...zieht er an die Atlantikküste, um sein Leben dem Surfen zu widmen.

4.  ...finanziert er seinen Mitspielern einen klimatisierten Bus.

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Wohnen auf dem Dach

Man steht auf einer Dachterrasse, oben der Himmel, unten Berlin. Man blickt auf Schornsteine, Antennen, Dachfenster und die lärmende Stadt. Mit einer Hand hält man das Miniaturhaus aus Holz hoch. Da hinten würde es stehen, fünfzigmal so groß. Jede Nacht könnte man die Sterne zählen, tagsüber würde man barfuß über warme Betonplatten laufen. So schön wäre das, auf einem Dach zu wohnen. Dann gibt man Simon das Hausmodell zurück.

Auf dem Weg zum Büro erzählt er über die Nachteile des Dachhäuschens. Im bürokratischen Deutschland kann man nicht einfach so kleine Häuser auf Dächer bauen und darin einziehen. Trotzdem wollte Simon genau das tun. Gemeinsam mit Andreas hat er das Start-⁠up „Cabin Spacey“ gegründet. Die Männer wollen in Großstädten Wohnraum gewinnen. Allein in Berlin könnten 50 000 solcher Dachhäuser gebaut werden.

Beide Männer wirken so, als könnten sie selbst gar nicht glauben, ihre Idee doch umsetzen zu können. Vor zwei Jahren bat sie ein Bekannter, auf seinem Grundstück ein Mikrohaus zu errichten. Allerdings verschwand er unmittelbar nach der Zusage. Die Idee der Minihäuser ließ die Architekten dagegen nicht mehr los. Sie beschäftigten sich mit dem kleinen, transportablen Häuschen weiter. Simon fertigte erste Entwürfe an und entwickelte Ideen für das Unternehmen für Mikrohäuser.

Im selben Jahr meldeten sie sich mit „Cabin Spacey“ für einen Wettbewerb an, bei dem es um die Ideen geht, die das Leben in der Großstadt erleichtern sollen. Sie schafften es unter die besten drei, es folgten Medienberichte und immer wachsende Nachfrage. Dann wurde das Start-⁠up gegründet und über Crowdfunding das Geld für den ersten Prototyp gesammelt. Das Minihaus sieht ungefähr so aus: In einer Art Box finden sich Bad, Küche und eine Treppe, die hinauf zum Bett führt. Eine Hülle aus Holz und großen Fenstern umgibt das Ganze, aus der Wand kann man Tische und ein Sofa klappen, ins Dach sind Solarzellen integriert, die das Haus heizen und kühlen.

Das 25-⁠Quadratmeter-⁠Haus kann theoretisch transportiert, schnell überall auf- und abgebaut werden. Praktisch jedoch ist es wieder mal ziemlich kompliziert. So ein Haus muss an das Abwassersystem angeschlossen werden, wenn es eins gibt. Außerdem muss es per Gesetz zwei Fluchtwege geben, das Dach braucht ein Geländer. Die beiden Berliner wollen die Häuschen aber nicht nur auf dem Immobilienmarkt verkaufen, sondern stellen sich eher eine Art Mietmodell vor.

Simon beschreibt diese Vision so: Überall auf der Welt gibt es irgendwann Minihäuser auf den Dächern großer Städte, die alle mehr oder weniger gleich aussehen. Wer beruflich ziemlich viel unterwegs ist, viel reist, häufig umzieht, kann einen Vertrag abschließen, mit dem er unkompliziert und jederzeit in einem freien Minihaus wohnen kann, egal wo. Da die Häuser überall gleich aussehen, wird ein Gefühl von Zuhause ermöglicht, auch wenn man viel unterwegs ist. Das ist der Hauptunterschied von einem Hotel, glauben die Architekten. Und die Aussicht ist natürlich auch viel schöner.

Bis das soweit ist, dürfte es aber noch ein bisschen dauern. Denn das Geld für das erste Minihaus ist nun zwar da, aber noch kein Dach. Simon und Andreas telefonieren seit Wochen mit Bauämtern, Wohnbaugesellschaften, Kaufhäusern und Parkhäusern, doch die Ämter sind langsam, die Vorschriften  — vielfältig. Bis Ende des Jahres aber soll das erste Haus in Berlin stehen, sagt Simon  — die ersten Übernachtungen hoch über den Dächern der Stadt sind schließlich schon verkauft.


Das Wohnen auf dem Dach gäbe einem die schöne Möglichkeit...

 

1.  ...ein Miniaturhaus aus Holz als Geschenk zu bekommen.

2.  ...die lärmende Stadt nicht zu hören.

3.  ...genau zu wissen, wie viele Sterne es gibt.

4.  ...auf Schornsteine, Antennen und Dachfenster zu blicken.

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Christkind in Nürnberg

Jedes Jahr am Freitag vor dem ersten Advent ist es so weit. Pünktlich um 17.30 Uhr erlöschen rund um den Nürnberger Hauptmarkt die Lichter. Dann halten Tausende Menschen in gespannter Erwartung den Atem an, und alle Augen richten sich auf die kleine Galerie hoch oben an der Frauenkirche.

Denn hier, auf dem kleinen Balkon des Gotteshauses aus dem 14. Jahrhundert erscheint Nürnbergs wichtigste Repräsentantin in der Weihnachtszeit: das Christkind. Mit einem feierlichen Prolog eröffnet es seinen Markt. „Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein“  — so endet er eindringlich, und dazu klingen Posaunenklänge über den dunklen Platz, ein Chor singt „Stille Nacht“, Kirchenglocken läuten. Kinder auf den Schultern ihrer Väter staunen, Handys und Kameras sind gezückt. Nach einer halben Stunde erstrahlen die frisch eröffneten Buden dann im Lichterglanz, und das Treiben auf dem Marktplatz beginnt offiziell.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt wird bereits seit 70 Jahren vom Nürnberger Christkind eröffnet. Im Jahre 1948 fand der erste Markt nach dem Krieg in der zerstörten Altstadt statt. Verkörpert wurde die Engelsgestalt des Christkindes  — blondgelockt, bekrönt und in goldenen Kleidern  — zunächst von einer Schauspielerin, seit 1969 jedoch wird das Christkind jedes zweite Jahr gewählt. Eine Bewerberin muss nicht in Nürnberg geboren sein, sollte aber seit längerem in der Stadt leben, 16 bis 19 Jahre alt und größer als 160 Zentimeter sein. Und absolut schwindelfrei, denn die Brüstung des Balkons ist nicht allzu hoch. Aus allen Bewerberinnen wählt eine Jury zwölf Kandidatinnen aus. Diese zwölf Mädchen erscheinen in den Nürnberger Tageszeitungen, deren Leser ihre sechs Favoritinnen küren. Auch online kann über die Kandidatinnen abgestimmt werden. Die Endauswahl trifft dann letztlich eine Jury aus Pressevertretern, dem städtischen Presseamt, dem Marktamt und der Tourismus-⁠Zentrale Nürnberg. Die Jury lernt alle sechs Bewerberinnen persönlich kennen, bevor die Entscheidung, wer das neue Nürnberger Christkind werden darf, getroffen wird.

Denn dieses hohe Ehrenamt erfordert besonders viel Persönlichkeit, Engagement und Geduld. Hat das Christkind in seinen zwei Amtsjahren doch alle Hände voll zu tun und steht unaufhörlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Weit über 100 Termine stehen im Dezember an. Dazu zählen Interviews, Fernsehauftritte und Besuche der Weihnachtsmärkte in anderen Städten. Genauso besucht das Christkind Altenheime, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen und Krankenhäuser. Am Heiligen Abend verteilt es Geschenke an junge Patienten in Nürnberger Kinderkliniken.

Natürlich macht das Christkind auch einen Rundgang über seinen eigenen Markt  — viermal die Woche in vollem Schmuck  — und verteilt an kleine Gäste Geschenke. Die, so sagt man, kauft es in einer ruhigen Stunde selbst auf dem Christkindlesmarkt ein. Wo auch immer die Himmelsbotin vorbeikommt, spricht sie tröstende oder unterhaltende Worte, liest Geschichten vor, drückt Hände, und sorgt für glänzende Augen und ehrfürchtige Bewunderung.

Die Symbolfigur des Marktes zu sein, bereitet den jungen Mädchen riesiges Vergnügen: Oft äußern sie den Wunsch, noch eine Amtszeit anzuhängen, aber er wird ihnen nicht gewährt. Es ist bis heute außerdem ein eisernes Prinzip geblieben, das Nürnberger Christkind nicht zu vermarkten oder als „Event“ zu verkaufen. Genauso wenig, wie seine Kür einer Miss-⁠Wahl gleichkommen soll. Seine Auftritte sind stets seriös, sie dienen sozialen und wohltätigen Zwecken und sollen freundschaftliche Verbindungen zur Bevölkerung anderer Städte knüpfen.

Den festlichen Prolog, den das goldige Lockengeschöpf jedes Jahr zur Eröffnung des Christkindlesmarktes rezitiert, schrieb 1948 Friedrich Bröger, der Chefdramaturg des Theaters und Sohn des Nürnberger Arbeiterdichters Karl Bröger. Der Text wurde bis heute nur leicht umgedichtet.


Warum versammeln sich viele Menschen auf dem Nürnberger Marktplatz am Freitag vor dem ersten Advent?

 

1.  Die Menschen wollen gemeinsam den ersten Advent feiern.

2.  Der berühmte Nürnberger Weihnachtsmarkt wird eröffnet.

3.  Auf der Galerie der Frauenkirche werden schöne Lichter angezündet.

4.  Die Menschen wollen Weihnachtslieder mit dem Chor mitsingen.

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Der Rote Bär

Seit 1311 wird hier gegessen: Das Gasthaus „Zum roten Bären“ ist der älteste Gasthof Deutschlands. Zwar gibt es einige, die diesen Rang bestreiten wollen: der "Riese“ im unterfränkischen Miltenberg zum Beispiel oder die „Herberge zum Löwen“ im badischen Seelbach. Aber nirgendwo ist die Tradition der jahrhundertelangen Gastwirtschaft so unzweifelhaft dokumentiert wie hier in der Freiburger Altstadt, im Gasthaus „Zum roten Bären“. Im Jahr 1311 fing es an, mit dem Wirt Johen dem Bienger. Jetzt wird das Haus von Monika Hansen geführt.

Bären, wohin das Auge reicht. Die Kekse zum Kaffee in Bärenform; die Butter zum Brot ebenfalls. Und natürlich thront der Bär golden und massiv über dem Hoteleingang. Ob es dieses Gold ist, das rötlich schimmernde Gold, das dem „Bären“ das Adjektiv rot gegeben hat? Der „rote Bär“? Nein, widerspricht Monika Hansen. Rot, sagt sie, sei seit den Kreuzzügen die Farbe der Gastronomie. In den riesigen Heerlagern habe es damals rote Zelte gegeben. Es waren die Bewirtungszelte, und jeder Krieger wusste, wenn er rot sah: Hier gibt es zu essen und zu trinken. Versteht sich, dass auch die Fassade des Freiburger „Bären“ eine rote Farbe trägt. Und die Geranien sind auch rot.

Welche Gerichte wurden in der Küche des Gasthauses im Jahr 1311 auf den Tisch gebracht? Monika Hansen holt aus. Der Gast habe damals nicht einfach bestellen können. Es gab immer nur ein einziges Gericht. Auf dem Tisch stand eine große Schüssel für alle. Die Portionen waren genau vorgeschrieben. Männer bekamen mehr als Frauen und Meister mehr als Gesellen. Der Rat der Stadt hatte die Rationen festgelegt  — und auch die Preise. Denn das Essen im Gasthaus musste bezahlbar sein. Zu jenen Zeiten war es ganz alltäglich, in den Wirtsstuben der Stadt zu essen. Nur 9.000 Einwohner gab es im 14. Jahrhundert in Freiburg  — aber 47 Wirtshäuser. Die meisten privaten Haushalte verfügten nämlich gar nicht über Kochstellen. Das wäre zu kompliziert gewesen  — und zu gefährlich. Gekocht wurde über offenen Feuern. Die Brandgefahr war erheblich.

Nicht immer im Lauf der Jahrhunderte war von allem viel da, aber ganz und gar ärmlich war die Küche des „Bären“ nicht. Und der Wein wuchs im Badischen damals auch schon. Zwar muss dieser Wein entsetzlich sauer gewesen sein, getrunken aber wurde er reichlich. Denn Wasser war nicht selten ein ungenießbares Getränk, oft verunreinigt, Brunnen waren rar.

Im „Bären“ war das anders. Von Anfang an befand sich im Innenhof eine Wasserstelle. Vielleicht war es gerade dieses Privileg, das den Gasthof all die Zeiten, die guten und die schlechten, überdauern ließ, vermutet Monika Hansen. Ein eigener Brunnen war Gold wert, nicht nur fürs Trinken und Kochen, sondern auch um Feuer zu löschen und um die Pferde zu versorgen. Denn natürlich gab es im „Bären“ bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts einen großen Pferdestall. Heute parken hier Autos.

Im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut und modernisiert steht das Haus auf demselben Areal, stabil, beständig. Auch den Namen hat es immer behalten, 700 Jahre lang. Mit einer kleinen Ausnahme. Irgendwann im 19. Jahrhundert war es, da wurde einer der fünfzig "Bären“-Wirte von einem Anfall von Modernität ergriffen, und er nannte den Gasthof auf einmal „Krokodil“. Natürlich blieb es nicht dabei. Die Modernität dauerte nur zwei Jahre. Dann kam der "Bär" zurück.

Der alte "Rote Bär“ ist mehr als eine Wirtschaft. Er ist eine Art Museum. Und Monika Hansen ist mehr als eine Wirtin. Wenn sie Gäste durch das Haus führt, verwandelt sie sich in eine Archäologin, eine Fremdenführerin, eine stolze Museumsbesitzerin. Denn 46 Jahre in diesem Hotel und Restaurant haben sie zu einer Stadt- und Lokalhistorikerin gemacht.

Der „Rote Bär“ hat alles überdauert. Auch jenen 27. November 1944, als britische Flugzeuge Freiburg in Schutt und Asche legten. Zwei Wunder ereigneten sich an diesem schrecklichen Tag: Wo ringsherum alles zur Trümmerwüste wurde, blieb ein Gebäude unbeschädigt  — das Freiburger Münster. Das zweite Wunder geschah im „Bären“. Er brannte nicht ab, obwohl ihn Brandbomben getroffen hatten, lediglich das Dach stürzte ein. Ein unvergänglicher „Bär“.


Der älteste Gasthof Deutschlands befindet sich in...

 

1.  ...Miltenberg.

2.  ...Seelbach.

3.  ...Freiburg.

4.  ...Bienger.

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Lesen muss man lieben lernen

Ein Buch muss heutzutage gegen das Internet, gegen YouTube oder Serien auf DVD kämpfen. Da hilft nur eines: Eine starke Bindung an den Leser. Aber wie bekommt man die?

Neulich im Kinderabteil der Deutschen Bahn. Eine blonde Mutter las ihrem kleinen Sohn aus dem Buch „Puh der Bär“ vor. Eigentlich ist es eine interessante und lustige Geschichte. Außerdem singt Puh unglaublich gerne. Die Vorstellung aber, die diese Mutter ihrem Sohn bot, sah freudlos aus. Mit leiser Stimme und fehlender Betonung stellte sie den Puh und seine Freunde ihrem kleinen Sohn vor. Und dieser schien sich wirklich zu langweilen.

Wer nicht gut lesen kann, der hat keine Lust zum Lesen und zum Vorlesen. Und wer keine Lust hat, der macht es eben auch nicht gut. Das ist der Teufelskreis, in dem sich viele Kinder befinden. Dieses Problem gibt es nicht nur in Deutschland: 20 Prozent der 15-⁠jährigen Europäer und viele Erwachsene können nicht richtig lesen.

Heute gibt es Leseinitiativen. Im schwäbischen Weingarten initiiert die Pädagogische Hochschule ein Projekt zur Wiederherstellung der Lesekompetenz der Schüler. In drei bis vier Schulstunden pro Woche soll ihnen zehn bis 15 Minuten vorgelesen werden. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat in diesem Jahr die Initiative „Lust auf Lesen“ ins Leben gerufen. Intensiv-⁠Lesekurse, Augengymnastik, fremdsprachige Filme mit deutschen Untertiteln und freie Lesezeit sollen die Kinder nun wieder auf den rechten Weg führen.

Aber inwiefern ist die Schule für die Lesekompetenz der Schüler verantwortlich? Oder fehlt hier die Elterninitiative? Natürlich lernen wir in der Schule lesen und schreiben, aber das ist es doch nicht, was leidenschaftliches Lesen ausmacht. Lesen lieben lernen, das geht nur, wenn es Eltern, Tanten, Omas und Opas demonstrieren. Wir alle in der Klasse 10b fanden es schön, wenn unsere Kunstlehrerin Frau Bechstein die gruseligen Geschichten von Edgar Allen Poe vorlas. Und sie hat es sicher genossen, dass die Schüler einmal ruhig waren und mit roten Wangen und großen Augen saßen. Viel wichtiger aber war doch das Vorlesen der abendlichen Geschichten in früher Kindheit und das daraus erwachsene Selberlesen. Noch heute habe ich die verschiedenen Vorlesestimmen meiner Mutter im Ohr. Und diese Erfahrung kann keine Leseinitiative ersetzen.

Wir alle haben weniger Zeit für Bücher. Wenn nicht gerade ein ruhiger Urlaub am Meer bevorsteht oder ein langes Wochenende in den Bergen, wo man sich endlich entspannen kann. Dann kommt auch der Gerne-⁠Leser nicht über seine zehn-⁠fünfzehn Seiten am Abend hinaus. Davor sind die Arbeit, das gemeinsame Essen, die Tagesschau und wenn oder noch komplizierter  — Kinder. Im letzten Fall ist aber die beste Lösung, den Kindern Ihre und ihre Lieblingsbücher vorzulesen. Seien Sie ruhig, das werden nicht immer und nicht die ganze Zeit nur Märchen sein. Manchmal helfen auch die Hörbücher, die man immer unterwegs hören kann. Aber nicht jedes Buch kann man so bekommen und der Prozess des Lesens an sich ist schon was Besonderes.

Nur wenn die Beziehung zwischen dem jungen Leser und Büchern stark ist, kann er auch als Erwachsener immer wieder den Verlockungen von Fernsehen oder Computer widerstehen und zum Buch greifen. Denn der gedruckte Text hat es schwer in Zeiten starker Konkurrenz. Und das ist nicht erst seit der Erfindung der Tablets so. Umso wichtiger, dass unsere Beziehung und die Beziehung unserer Kinder zum Buch stabil, gefestigt und krisensicher ist. Daran müssen wir auch ständig arbeiten.


Wieso langweilte sich der Junge im Kinderabteil der Deutschen Bahn?

 

1.  Ihm gefielen die Lieder nicht, die Puh der Bär singt.

2.  Er hatte eine andere Vorstellung von Puh und seinen Freunden.

3.  Seine Mutter tat nicht ihr Bestes beim Vorlesen.

4.  Das Video "Puh der Bär" auf seinem iPad war von schlechter Qualität.

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Artur Fischer

Es gibt viele deutsche Erfindungen, die die Welt erobert haben. Einer der fleißigsten Erfinder der Welt war Artur Fischer, der mehr als 1100 Patente hat. Das Europäische Patentamt zeichnete Fischer 2014 für sein Lebenswerk aus. Es zeichnete damit auch eine Generation der Nachkriegsunternehmer aus. Weltbekannt wurde Fischer vor allem für die Erfindung des Fischer-⁠Dübels. Dieser steckt in vielen Wänden in Deutschland und überall in der Welt.

2016 ist Artur Fischer im Alter von 96 Jahren gestorben. Die von ihm gegründete Firma hat 4000 Mitarbeiter, macht 660 Millionen Euro Umsatz und exportiert die Produkte in 100 Länder der Welt. Die Führung liegt bei Fischers Sohn Klaus. Aus der Belegschaft der Firma werden 20-⁠mal mehr Patente pro Mitarbeiter angemeldet als im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft.

Nicht das Geld hat Artur Fischer angetrieben, sondern der Entdeckergeist. Und die pure Not. Der Sohn eines Schneiders wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Fischers Mutter hatte in Heimarbeit Hemden gebügelt, damit ihr Sohn auf die Realschule gehen konnte. Trotz Mutters Mühen hat Artur Fischer, der alle wichtigen Titel trug  — Doktor und Professor  — und zudem das Bundesverdienstkreuz, keine klassische Schulkarriere gemacht. Die Realschule brach er dann doch ab.

Er begann eine Schlosserlehre in Stuttgart. Nach ein paar Monaten kündigte er dem Vater per Postkarte den Abbruch der Lehre an. Der Vater antwortete: „Lieber Sohn, wie ich lese, willst Du Deinen Arbeitsplatz verlassen. Aber an meiner Haustür wirst Du umdrehen und wieder zurückgehen müssen. Dein Dich liebender Vater.“ Beim nächsten Besuch zu Hause klagte der Junge der Mutter seine Zweifel an der Liebe des Vaters. „Das begreifst du noch nicht, aber du wirst es erfahren“, erklärte die Mutter. „Sie hat recht gehabt“, erinnerte sich Fischer später. Von da an habe er gewusst: „Es gibt keine Kapitulation. Ich muss.“

Er absolvierte die Schlosserlehre, arbeitete in einer Werkstatt und gründete schließlich, im Jahr 1948, seine eigene Firma. Geplant war die Selbständigkeit allerdings nicht. Fischer reagierte bloß auf eine personelle Veränderung beim früheren Arbeitgeber. Er kam mit dem neuen Meister nicht klar.

Aber was soll man machen, wenn man 28 Jahre alt, frisch verheiratet und in einer Gegend zu Hause ist, in der überwiegend Bauern leben, die kaum über die Runden kommen. Fischer krempelte die Ärmel hoch und reparierte Elektrogeräte, die ihm die Bauern brachten. So hielt er sich die erste Zeit über Wasser.

Aber Fischer wäre nicht Fischer, hätte ihn nicht sein Erfindergeist übermannt: Er erfand den ersten elektrischen Feueranzünder. Aus wenigen Teilen baute er den Apparat zusammen  — und schon nach wenigen Tagen war die erste Serie verkauft bzw. gegen Brot, Butter und Speck eingetauscht. Streichhölzer waren damals Mangelware, Strom aber gab es in jedem Haus. „Es war ein praktisches Produkt“, erklärte Fischer den Erfolg dieser Idee. Und den all seiner nächsten Ideen. Selbst den Aufstieg der Fischerwerke bringt Fischer auf die einfache Formel: Ein neues Produkt muss besser sein als alles, was es zuvor auf dem Markt gab.

Als er den Dübel erfand, bestand er auf das teure Nylon. Er hörte auf die Handwerker, die begeistert von den Eigenschaften des Produkts waren. Fischer war stolz auf den Dübel, nicht, weil er seinen Namen trägt, auch nicht, weil er dem Unternehmen gutes Geld in die Kasse spülte. Fischers Stolz war der Stolz des Erfinders. Und deshalb war ihm der Verkaufsschlager auch nicht wichtiger als irgendeine andere seiner vielen Erfindungen.


Artur Fischer ist überall in der Welt für ... bekannt.

 

1.  Die Erfindung eines Dübels, der seitdem Fischer-⁠Dübel heißt.

2.  Die beachtliche Anzahl an Patenten, die er angemeldet hat.

3.  Sein Lebenswerk, als einer der fleißigsten Erfinder der Welt.

4.  Die Auszeichnung durch das Europäische Parlament im Jahr 2014.

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Eine Deutsche in Spanien

Silke kam schon vor Jahren durch ihren Onkel und ihre Tante immer wieder auf die Insel. Irgendwann konnte sie sich den Traum von einem eigenen kleinen Ferienhaus auf La Gomera erfüllen. Nach und nach wurde das Gefühl stärker, dass sie nicht mehr zurück wollte. Als die Kinder kamen, dachte sich Silke: Jetzt erst recht. Was Silke am meisten überzeugte, war der Umgang der Bevölkerung mit den Kindern. Kinder stehen hier einfach an erster Stelle, sie werden umsorgt und herzlich willkommen geheißen.

Mit der Sprache gestaltete es sich zunächst etwas schwierig: Natürlich hatte Silke in Deutschland zuvor ein paar Spanischkurse gemacht, aber dort angekommen, merkte sie, dass sie erst einmal gar nichts verstand. Dazu kam, dass die Familie zu Beginn kaum Kontakt mit Einheimischen hatte. Seit Silke nun aber im Dorf wohnt, klappt es mit der Sprache richtig gut.

Für die Kinder war das Erlernen der Sprache sehr viel einfacher. Leonardo war erst sieben Monate alt, als sie auf die Insel zogen, Chiara war drei. Chiara fing dann gleich in der spanischen Schule an. In Spanien gehen die Kinder bereits ab drei Jahren in eine Vorschule. Die Schulpflicht beginnt erst mit sechs Jahren, aber wer nicht in der Vorschule war, verpasst einiges. Denn dort werden bereits Zahlen und uchstaben gelehrt.

Leonardo ging in den Kindergarten. Er hat jedoch zuerst nie geredet. Die Kindergärtnerinnen waren ganz erstaunt, weil sie merkten, dass er alles verstand, aber einfach nicht antworten wollte. Es mag daran gelegen haben, dass er in seiner Familie Deutsch sprach. Als er plötzlich anfing, Spanisch zu reden, war die Freude natürlich groß.

In der Schule gibt es nur wenige Kinder aus Deutschland. Leonardo hat einen Mitschüler, dessen Eltern ursprünglich aus Deutschland kommen. Chiaras Klassenkameradin Lara hat eine deutsche Mutter, ihr Vater ist ein Gomero (so heißen die Einwohner La Gomeras). Die beiden Mädchen sind beste Freundinnen. Alle drei Kinder springen ständig von einer Sprache in die andere. Die jeweilige Sprache ist meist mit der Handlung verbunden ist: Sie spielen und zanken zu Hause stets auf Spanisch. Und sie fragen die Mutter nach Süßigkeiten auf Deutsch.

Seit sie drei sind, haben die Kinder Englisch in der Schule. Der Unterricht ist aber eher schwach. Deshalb bekommen alle drei einmal in der Woche Zusatzunterricht von einer Engländerin.

Es wohnen ziemlich viele Deutsche auf der Insel, die in den späten 1970ern im Zuge der Hippie-⁠Bewegung auf La Gomera gelandet sind. Vor allem im südlichen Teil der Insel hat man zum Teil das Gefühl, sich in einer „deutschen Kolonie“ zu befinden: sogar Straßenschilder sind ausschließlich auf Deutsch. Dort muss man eigentlich überhaupt kein Spanisch können.

Von den Kindern erinnert sich nur Chiara an ihre Zeit in Deutschland, da Leonardo noch zu jung war. Sie erinnert sich an ihren Freund Paul, die Großeltern und den Schnee. Ab und an bekommen sie Besuch aus Deutschland oder fliegen selbst nach Deutschland in den Urlaub.

Für Silke ist es klar, dass die Kinder irgendwann weg von der Insel gehen müssen, da die Ausbildung auf La Gomera nur bis zum Abitur möglich ist. Um zu studieren, müssten sie woanders hin. Wenn sie eine Lehre machen wollen, würden sie das in Deutschland machen, meint Silke. Ihre Chancen wären dann viel besser. Sowieso stehen ihnen mit den verschiedenen Sprachen und kulturellen Erfahrungen, die sie machen, viele Türen offen.

Das Leben in Spanien stellt für Silke eine angenehme Mischung kultureller Eigenheiten dar. So hat sie immer die „typisch deutsche“ Angewohnheit, extrem pünktlich zu sein. Auf der Arbeit schätzt man das sehr. Aber in Spanien hat sie gelernt, dass das Leben mit weniger Stress gut funktioniert und erinnert sich daran, dass in Deutschland Stress zu allem gehören musste.


Was war das wichtigste Argument für den Umzug der Familie auf die Insel?

 

1.  Der Umgang der Menschen dort mit den Kindern.

2.  Die Tatsache, dass es bereits viele Deutsche gab.

3.  Auf der Insel lebten Silkes Tante und Onkel.

4.  Auf der Insel zu leben ist weniger stressig.

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Aus meinen Erinnerungen

Als ich 1915 in Dresden geboren wurde, war mein Vater schon als Offizier gleich zu Beginn des 1. Weltkriegs gefallen. Ich habe ihn also nie kennengelernt, und er wusste nichts von meiner Existenz. Wahrscheinlich bin ich ihm sehr ähnlich, denn als preußischer Offizier hat er wohl viele Eigenschaften besessen, die auch einen Teil meines Wesens ausmachen: Einfache Lebensweise, Zuverlässigkeit und Disziplin. Von meiner Mutter erbte ich Lebenslust und Aufgeschlossenheit allem Neuen gegenüber.

Meine Mutter ist als junge Witwe mit den zwei Kindern zu ihrem Vater nach Dresden gezogen. Der Großvater war sehr wohlhabend. Wir haben in dem großen Haus in der Parkstraße  — es wurde beim Bombenangriff im Februar 1945 völlig zerstört  — eine sehr schöne Kindheit verbracht. Mein Bruder Herbert und ich, wir haben uns oft in einem der 40 Zimmer versteckt, wenn wir keine Lust hatten, in die

Schule zu gehen. Nach dem großen Börsenkrach 1929 konnten wir das Haus nicht mehr halten, obwohl meine Mutter versucht hatte, durch Untervermietung Geld zu erwirtschaften. Nach dem Tode meines Großvaters wurde das Haus also verkauft, und wir sind nach München umgezogen.

Das war für mich schwierig, denn irgendwie bin ich in München nie ganz heimisch geworden. Deswegen war ich wohl auch so rebellisch in der Schule und bin aus der ersten Schule geflogen, und aus der zweiten war man gerade dabei, mich hinauszuwerfen. Als ich 14 Jahre alt war, machte ich Skiferien mit Onkel Ernst im Allgäu. Er kannte zwar die Internatsschule Salem nicht persönlich, aber er war ein sehr guter Pädagoge. »Versuch es doch mal dort«, sagte er. Also bin ich vom Skifahren direkt dort aufgetaucht und sagte: »Ich will hier zur Schule gehen«. Bis zum Abschluss der Schulzeit war ich dann das Mädchen, das sich selbst angemeldet hatte. Meine Mutter sagte: »Wenn du nach Salem willst, bitte, warum nicht«. Also fuhr ich nach den Osterferien allein hin und war vom ersten Tag an begeistert. Es war einfach so, als ob ich schon immer dorthin gehört hätte.

Die Schule Schloss Salem war nach dem 1. Weltkrieg gegründet worden, um der deutschen Jugend eine Neuorientierung zu bieten. Dr. Kurt Hahn, den Begründer der Schule Salem, habe ich 1930/31 kennengelernt. Sein Motto war: »Es steckt mehr in Dir als Du glaubst«!. Ich verehrte ihn sehr, aber er hat mich wohl nie so richtig wahrgenommen. Er mochte mehr die Mädchen, die ein gutes Beispiel für Jungen waren, und das war ich nicht. Er musste 1933 weg, denn Kurt Hahn war Jude, er emigrierte nach England und gründete dort eine Schule. Für Salem kam jetzt die ganz schwierige Zeit. Die Schule durfte zwar bestehen bleiben, aber 1934 mussten die jüdischen Schüler die Schule verlassen; so auch Wolf Günter und ein tschechischer Jude aus meiner Klasse. Es wurde ihnen gesagt, sie könnten hier noch das Abitur machen, aber sie dürften keine Verbindung mehr zum Internat haben. Mich hat das so empört, dass ich beschloss, aus Protest mit auszuziehen, und wir haben dann zu dritt im Dorf gewohnt. Unser neuer Schulleiter Erich

Meissner gab uns folgende Maxime mit: »Jeder prüfe sich selbst und das eigene Gewissen. Es gibt keine Instanz, die über dem Gewissen steht«. In langen Gesprächen überzeugte er mich von einer kompromisslosen, aber nicht offenen Bekämpfung des Nationalsozialismus. Sein Nachfolger Blendinger setzte die antifaschistische Tradition fort und hat durchgesetzt, dass die beiden Jungen wieder ins Internat zurückkehren konnten. Wir haben dann zusammen das Abitur gemacht. Tragischerweise sind alle jungen Männer meines Jahrgangs im 2. Weltkrieg gefallen, nur die beiden jüdischen Mitschüler haben überlebt.


Welche Erinnerungen hat die Autorin des Textes an ihren Vater?

 

1.  Sie erinnert sich, dass sie charakterlich sehr ähnlich waren.

2.  Sie hat ihren Vater nicht gekannt: er ist im Krieg gefallen.

3.  Sie bewundert immer noch seine Lebenslust und Neugier.

4.  Sie erinnert sich an seine vorbildliche Disziplin.

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Haustiere: Eine Jahrtausende alte Geschichte

Haustiere wie Hunde, Katzen, Vögel und Kaninchen sind Tiere, die zum Vergnügen oder aufgrund ihres Nutzens vom Menschen domestiziert werden. Die Domestikation ist ein Veränderungsprozess von Wildtieren, bei dem Menschen diese über Generationen hinweg von ihren wild lebenden Artgenossen isolieren. Dadurch wird das Zusammenleben von Mensch und Tier erreicht. Dabei gewöhnen sich die Tiere an ihren neuen Lebensraum und vertragen sich konfliktlos mit Menschen. Später wird die Nutzung des Tiers als Haustier oder Heimtier möglich.

Die Domestizierung beeinflusst das typische Verhalten von Wildtieren, wie zahlreiche Studien gezeigt haben. Die Verhaltensweisen werden menschenfreundlicher. Die Gehirnmasse der Tiere wird um 20 bis 30 % reduziert. Das Flucht- und Verteidigungsverhalten werden unterentwickelt, Hörner und Gebiss reduziert. Es entstehen neue Fellfarbvarianten und Rassen mit teils großen Erscheinungsunterschieden.

Ob als Partnerersatz, Versuchsobjekt oder Transportmittel: Tiere haben für uns im Laufe der Jahre völlig unterschiedliche Funktionen eingenommen. In der westlichen Welt galten die Lebewesen lange Zeit zum Großteil als Arbeitsgeräte, Transportmittel und vor allem als Nahrungsmittellieferanten. In der Stadt legten sich die Nutztiere schließlich durch die Industrialisierung eine neue wichtige Rolle zu. Sie wurden zu Haustieren und erhielten die Aufgabe des Partners oder Prestigeobjektes. Das Halten von Tieren galt als modern.

Mit zunehmender Bedeutung der Haustiere bildeten sich Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Tierschutzgedanken. Sie wurden jedoch zunächst ausschließlich für demagogische Zwecke genutzt. Die Tiere wurden in westlichen Gesellschaften zwar zum ersten Mal als Partner betrachtet, gleichzeitig aber auch intensiv in Versuchslaboren verwendet.

Heute gibt es in vielen Ländern der Erde zahlreiche Organisationen, die sich für die artgerechte Tierhaltung einsetzen. Sie sind zusammen mit Informationen im Internet sowie Publikationen zwingend notwendig, weil sich die Tier-⁠MenschVerhältnisse im Laufe der Jahre stark verändert haben. Organisationen versuchen in erster Linie, Menschen zu informieren, die zum ersten Mal Haustiere kaufen möchten. Häufig fällt die Wahl „aus dem Bauch“ heraus. Es folgt eine nicht artgerechte Tierhaltung, wodurch Haustiere sehr leiden, auch wenn viele Familien es nicht mit Absicht tun und ihre Haustiere mögen.

Der Hund ist bekanntermaßen eines der weltweit beliebtesten Haustiere. Dennoch schafft es dieses Haustier in der Top-⁠Liste der Deutschen nur auf Platz zwei. In der Bundesrepublik leben vermutlich 7,4 Millionen Hunde, die ebenso wie Menschen Ressourcen verbrauchen. Nicht alle Hunde sind steuerlich angemeldet, deshalb muss man sich bei diesen Zahlen auf Schätzungen verlassen.

Im Vergleich zum Hund, ist die Katze ein relativ neues Haustier, das sich in kurzer Zeit zum beliebtesten Haustier der Deutschen entwickeln konnte. Ähnlich wie Hunde, sind diese für viele Menschen einfach ein weiteres Familienmitglied. Katzen sind intelligente, anhängliche Geschöpfe. Katzen bieten im Vergleich zu den restlichen Haustieren nicht nur Gesellschaft, sondern können auch dazu beitragen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern. Studien haben gezeigt, dass der Umgang mit einer Katze den Blutdruck senken und Ängste abbauen kann. Aus diesen Gründen ist die Hauskatze eine ausgezeichnete Wahl für jeden, der einen pelzigen Freund sucht.


Was ist das Ziel der Domestikation?

 

1.  Die Tiere von Artgenossen zu isolieren.

2.  Die Gehirnmasse der Tiere zu reduzieren.

3.  Die Tiere in Mengen zu züchten.

4.  Die Nutzung der Tiere zu ermöglichen.

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Wandel der Esskultur: Sterben die deutschen Schnittchen aus?

„Abendbrot“ wird in Deutschland oft das Abendessen genannt. Zu sich genommen wird es zwischen 17 und 19 Uhr. Doch immer lauter wird die Empfehlung vieler Ernährungsexperten, abends kohlenhydratarm zu essen. Stirbt dadurch die Mahlzeit der Scheiben Brot mit Aufschnitt nach hundert Jahren aus?

Die Wurstindustrie gibt sich jedenfalls leicht alarmiert. Allerdings löst nicht etwa das wachsende Angebot veganer und vegetarischer Fleischersatzprodukte Sorgen aus, denn aus einer Masse an Rohstoffen lässt sich eine Wurstware machen. Ob nun aus Fleisch oder aus Erbsen.

Folgenreicher ist der Wandel der Essgewohnheiten insgesamt. Statt Pausenoder Abendbrot mit Wurstbelag kommen zunehmend andere Gerichte auf die Teller. Die Wurstbranche ist dabei, sich neu aufzustellen.

In Spanien und Griechenland, wo Deutsche gerne urlauben, wird abends meistens warm gegessen und auch später als hierzulande. Brot mit Wurst und Käse gilt dort höchstens als Vorspeise und nicht als vollwertige Mahlzeit.

Der deutsche Brauch, abends kalt zu essen, stammt Kulturwissenschaftlern zufolge aus den 1920er-⁠Jahren. Damals dominierte mehr und mehr die Industrie den Alltag  — im Gegensatz zu den landwirtschaftlicheren Strukturen wie in Italien und Frankreich. In Fabriken gab es immer öfter Kantinen. Wer dort mittags speiste, wollte abends oft kein warmes Essen mehr. Da die Arbeit dank Technisierung auch körperlich weniger anstrengend wurde, liebten es viele am Abend leichter: Brot, Wurst, Käse, ein bisschen Rohkost.

Das Abendbrot setzte sich dann nach dem Krieg noch stärker durch. Damals stieg auch die Zahl erwerbstätiger Frauen. Das schnell gemachte Abendbrot wurde Tradition in vielen Familien. Langweilig waren die Schnittchen am Abend dabei übrigens nie. Deutschland ist bekanntlich stolz auf Hunderte Brotsorten und Wurstwaren, gern dekoriert mit Gewürzgürkchen, Radieschen oder hart gekochtem Ei. Dennoch führen Millionen Deutsche heute ein Leben ohne abendliche Leberwurstbrote und der Trend ist deutlich erkennbar.

Laut der Allensbach-⁠Studie „So is(s)t Deutschland“ ist das Abendessen unter der Woche bei vielen inzwischen die wichtigste Mahlzeit geworden. 2019 nannten 38 Prozent das Abendessen die Hauptmahlzeit des Tages, zehn Jahre zuvor war es ein Drittel der Bevölkerung.

Die Corona-⁠Pandemie, die Millionen monatelang zu Hause arbeiten ließ, hat vielen Familien ermöglicht, auch mitten am Tag zusammenzukommen. Doch eine echte Renaissance des Mittagessens, zu der es in der Corona-⁠Pandemie kam, sehen Experten heute trotz Homeoffice nicht. Viele Experten sind überzeugt, alles deute darauf hin, dass der Megatrend zur warmen Hauptmahlzeit am Abend weitergehe.

Die Künstlerin Ingke Günther glaubt nicht, dass das früher populäre Abendbrot in Deutschland vollends verschwindet. Es habe aber seine jahrzehntelang vorherrschende Rolle verloren: „Das liegt daran, dass die Arbeitsund Lebenswirklichkeiten diverser geworden sind. Aber bei Älteren und in Familien mit Kindern ist das Abendbrot oft noch die Regel.“ Und in einigen städtischen Milieus, wo Bio-⁠Bäckereien eine neue Brotkultur entwickelt haben, gebe es eine bewusste Rückbesinnung aufs Abendbrot. Günther bezeichnet sich unter anderem als „Abendbrotforscherin“. Sie meint: „Das Konzept, gemeinsam am Tisch zu sitzen und sich das Brot selbst zu belegen, ist einfach bestechend. Die Bilder von einem gemeinsamen Abendbrot sind in den Köpfen vieler Leute sehr lebendig  — auch wenn es womöglich nur am Wochenende zelebriert wird.“


Warum sind die Mitarbeiter der Wurstindustrie beunruhigt?

 

1.  Das Angebot an Fleischersatzprodukten wird immer reicher.

2.  Die Essgewohnheiten der Bevölkerung ändern sich.

3.  Es mangelt an Rohstoffen für Wurstwaren.

4.  Die Wurstwaren werden immer weniger verlangt.

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Jobverlust durch Künstliche Intelligenz

Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt. Kann KI zahlreiche Jobs ersetzen?

Seit der Veröffentlichung des ChatGPT im November 2022 explodiert der KI-Markt förmlich: Von generierter Spracherkennung über künstlichen VideoContent bis zur Simulation von Stimmen, regelmäßig erreichen die Programme einen neuen Meilenstein des zuvor unmöglich Geglaubten. Die Systeme erledigen all diese Aufgaben präzise und schnell. Deswegen befürchten viele Angestellte, dass KI bald der bessere Arbeitnehmer sein wird  — und bangen um ihren Job.

Viele Menschen sind besorgt, dass sie ihren Job wegen des zunehmenden Einsatzes von KI in den kommenden fünf Jahren verlieren könnten. Angestellte, die diese Programme bereits sehr stark in ihrem Berufsalltag verwenden, sind weitaus besorgter um ihre berufliche Zukunft.

Die meisten Forscher und Analysten sehen die Lage pessimistisch: „Insgesamt deuten unsere Schätzungen darauf hin, dass ein großer Teil der Beschäftigung und Arbeit zumindest teilweise durch KI wegautomatisiert wird. Unsere Szenarioanalyse zeigt, dass der endgültige Anteil der Arbeit, die der Automatisierung ausgesetzt ist, zwischen 15 und 35 Prozent liegen könnte“, erklärt der Ökonom Jan Hatzius von der Investmentbank Goldman Sachs. Doch einige wenige halten die KI-bedingte Zukunftsangst der Angestellten für unrealistisch.

Besonders gefährdet seien administrative Aufgaben, wie Datenverwaltung, Terminplanung oder Buchhaltung. Derartige Aufgaben lassen sich durch KI leicht wegautomatisieren, da sie auf einfachen Entscheidungsalgorithmen basieren. Das könnte sich bald ändern: Mit ChatGPT könnten nun vor allem hochqualifizierte Angestellte betroffen werden.

Laut einer Studie von OpenAI seien künftig vor allem die Jobs von Mathematikern, Journalisten, Webdesignern, Datenmanagern und Analysten bedroht: KI kann eigenständig Content erstellen und schneller und effizienter als jeder Mensch komplexe Datenmengen ordnen und logische Schlüsse ziehen.

Ganz so einfach ist das aber nicht, wovon auch der Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeugt. Dieser soll die Automatisierbarkeit eines Jobs prognostizieren: Trägt man in das entsprechende Suchfeld etwa „Journalist“ oder „Lehrer“ ein, spuckt der automatisierte Helfer eine Übersicht der berufsbedingten Kernaufgaben, sowie deren individuelle Automatisierbarkeit aus. Bei vielen der oben genannten Jobs wären laut Futuromat nur ein Bruchteil der Aufgabengebiete automatisierbar. Viel wahrscheinlicher als ein Komplettersatz scheint in vielen Berufen eine Unterstützung durch KI.

Viele Angestellte nehmen bereits die Leistungen der KI in Anspruch: Sie lassen eine E-Mail oder die Zusammenfassung des Geschäftsberichts von ChatGPT verfassen. KI wird ein Bestandteil des Berufsalltags. Dabei nutzen die Arbeitnehmer Text-, Bild- sowie Code-Programme.

In zukünftigen KI-Ökosystemen werden Mitarbeiter durch KI-Programme nicht einfach ersetzt werden. Stattdessen werden KI-geschulte Fachkräfte ihr Wissen gezielt im beruflichen Alltag einsetzen. Mitarbeitende müssen durch Weiterbildungsmaßnahmen geschult werden. So können sie ihre Fähigkeiten mit KI erweitern und Aufgabenbereiche im Unternehmen verändern. Gleichzeitig können Menschen, die ihre Jobs verlieren, neue Fähigkeiten erwerben und in andere, nicht automatisierbare, Branchen mit Fachkräftemangel wechseln, etwa in Handwerk oder in den sozialen Sektor.

Was ist eine der Hauptsorgen von Angestellten in Bezug auf KI?

 

1)  Die Büroausstattung verändert sich.

2)  Überstunden erhöhen sich.

3)  Sie könnten ihren Job verlieren.

4)  Sie müssen ihre Arbeitszeiten anpassen.

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Eine Gemeinschaftsschule für das freie Lernen

„Ich wünsch' euch einen wunderschönen guten Morgen! Schön, dass ihr heute da seid.“ Die Mathelehrerin begrüßt mit einem Tablet in der Hand die Schülerinnen und Schüler, die alle ebenfalls ein Tablet vor sich haben. Im ersten Moment sieht es aus wie eine normale Mathestunde, doch in der Alemannenschule in Wutöschingen ist nichts wie in einer gewöhnlichen Schule. Es ist eine Gemeinschaftsschule mit Haupt-, Real- und Gymnasialschülern, die zusammen und frei lernen.

Die Mathestunde heißt hier Input-Stunde und die gibt es für jedes Hauptfach nur einmal pro Woche. Ansonsten lernt man selbstständig. So wie die 16-jährige Wiktoria Herd. Sie ist in der 9. Klasse und will ihren Hauptschulabschluss machen. Gerade überprüft sie, ob sie ihre Matheaufgaben richtig gelöst hat, und ist sehr zufrieden mit ihrem Ergebnis, auch wenn Fehler dabei sind. Die können weiterhin verbessert werden.

Auf Wiktorias Tablet steht, was sie sich heute noch vorgenommen hat. Einen Stundenplan gibt es an der Alemannenschule nicht. Wiktoria teilt sich selbst ein, was sie lernen möchte  — und wann. Nach der Input-Stunde will sie Mathe weiterlernen. Dafür geht sie in das Lernatelier, das ist ein großer Raum mit vielen Lernecken. Sie geht eine kleine Leiter hinauf in die zweite Etage. Dort hat sie ihren festen Platz mit einem Schreibtisch und einem Schrank. Alle wichtigen Lernmaterialien sind auf dem Tablet. Das ist hier das wichtigste Werkzeug. Und mit diesem sitzen die Lerner hier konzentriert und es ist ganz still. Es wird nur geflüstert und alle halten sich daran. Die Lehrkräfte heißen Lernbegleiter oder Coachs. Ihre Schreibtische stehen in der Mitte des Lernateliers. Es wird gerne geholfen, wenn man Bedarf hat.

Gearbeitet wird im Lernatelier eigenständig. Ganz wichtig ist hier die Coaching-Stunde, die einmal pro Woche ist. Wiktoria hat sie bei ihrer Lernbegleiterin Maria Schedler. Bei ihr holt sie sich Ratschläge und Tipps ab, teilt ihre Woche ein. Auch die Prüfungen legen die Schülerinnen und Schüler selbst fest. Diese schreiben sie erst dann, wenn sie sich gut vorbereitet fühlen.

Die Lernbegleiterin macht Wiktoria Vorschläge, entscheiden kann sie aber selbst, was sie davon macht. Schedler ist fest davon überzeugt, dass dieses Konzept auch in sozial benachteiligten Wohngebieten funktionieren würde  — gerade durch die Beziehung, die die Lernbegleiter zu den Schülern haben. Und Schüler aus solchen Gebieten gibt es in der Alemannenschule nicht wenige. Dass hier eine heile Welt herrscht, stimmt nicht.

Die Umgestaltung zur Gemeinschaftsschule, in der alle zusammen lernen, war die Idee des Schulleiters. Überall sind Tische, Stehtische, Sofas, Sitzsäcke, auf denen die Schülerinnen und Schüler mit dem Tablet sitzen oder liegen. Mal konzentriert versunken, mal im regen Austausch miteinander. Hier sind Fünft- bis Zehntklässler gemischt. Es gibt Studien, nach denen die Kinder bis 13 Jahre am besten im Liegen, am zweitbesten im Stehen, am drittbesten im Sitzen lernen und am allerbesten, wenn sie abwechseln können. Und das ist hier der Fall.

Eines wird ständig gefragt: Ist dieses Konzept wirklich erfolgreich? Der Beleg dafür sind Statistiken aus Vergleichsstudie in Baden-Württemberg. Mathe, Lesen, Schreiben  — überall schneidet die Alemannenschule im Vergleich zu den Realschulen und Gemeinschaftsschulen im Bundesland am besten ab. Man weist hier weitaus überdurchschnittliche Leistungen nach. Das gilt für alle Bereiche. Das Ziel war jedoch, dass eine Situation geschaffen wird, in der jeder gerne in die Schule geht. Und dabei kommen dann gute Leistungen raus.

Was für eine Schule ist die Alemannenschule in Wutöschingen?

 

1)  Das ist eine Schule mit Schwerpunkt Mathematik.

2)  Diese Schule hat alle Schultypen unter einem Dach.

3)  In der Alemannenschule verläuft der Unterricht nur online.

4)  Die Alemannenschule ist eine gewöhnliche Schule.